In dieser phantastischen Schatzkammer, die an eine Grotte metallurgischer Gnomen denken läßt, kann man sich in ein paar Minuten ruinieren, ist aber nicht dazu gezwungen. „The London Silver Vaults“ sind sich aus dem Tresorraum der 1885 gegründeten Chancery Lane Safe Deposit Company entstanden. Als Silberschmiede und -händler, deren Waren im Souterrain lagen, manchmal Kunden mit sich dorthin nahmen, um sicher und ungestört verhandeln zu können, entwickelte sich aus dem Tresorraum allmählich ein Geschäft. Während des Krieges machten die Bombenangriffe diese Praxis sogar zur Notwendigkeit.

Im Jahre 1953 wurden die Silver Vaults endgültig im Untergeschoß des Nebennauses – es ist das Southampton Building – als größter Silbermarkt von England eingerichtet. Der Silberhört ist wie eine wahre Festung angelegt, im Alarmfall können die schweren Gittertüren sekundenschnell geschlossen werden. Diebe haben kaum eine Chance: An jeder Biegung der labyrinthischen Gänge wachen Kameraaugen über die funkelnden Kandelaber, Schüsseln, Teetassen, Bestecke und Tafelaufsätze jedes Stils und jeder Epoche.

Fünfzig Geschäfte – einige kaum größer als ein Schrank – drängen sich hier zusammen. Entang der cremefarbigen Wände dieser unterirdischen Schatzhöhle informieren Tafeln den Besucher über Geschichte und Wert von Marken wie zum Beispiel „Britannia Standard“ oder „Leopard’s Head“, der letztgenannte ist der älteste Stempel, er wurde schon 1300 von König Edward I. als königliche Marke dekretiert.

Die Preise sind sehr unterschiedlich: Sie richten sich nicht nur nach Alter, Provenienz, Legierung und Stempel jedes Stückes, sondern manchmal auch nach dem Ruf des Silberschmiedes. G. W. M.

London Silver Vaults, 53-64, Chancery Lane, Eingang durch Southampton Building; U-Bahnstation Chancery Lane (Central). Geöffnet 9.30 bis 17.30 Uhr von Montag bis Freitag, 9.30 bis 12.30 Uhr Samstag. Sonntags geschlossen. Eintritt frei.