Als Finanzminister des ersten Kabinetts Brandt war er nicht nur wegen seines Sachverstands, sondern vor allem auch dank seines Ansehens als „Genosse Generaldirektor“ ein Star. Daß die sozial-liberale Koalition nach 1969 neben anderen Ministern von Ruf in Alex Möller jemanden aufzuweisen hatte, der in der Versicherungswirtschaft zu Rang und auch zu Geld gekommen war, der die sich daraus ergebenden Annehmlichkeiten auch unbefangen zu genießen wußte – das war ein Glücksfall für die Sozialdemokraten, die in der Endzeit der spätbürgerlichen Ära Adenauer vielen noch als Kellerkinder erschienen.

Sein Sachverstand, seine äußere und innere Unabhängigkeit haben Alex Möller, der nun im Alter von 82 Jahren gestorben ist, freilich auch schon nach kurzer Amtszeit zurücktreten lassen: Er sah die sozial-liberale Reformpolitik über alle finanziellen Bande geraten.

Sperrig war Möller ohnehin – aber nie illoyal, selbst als sein Rücktritt und seine Warnungen nicht verschlugen. Denn anders als etwa sein Nachfolger Karl Schiller war er kein gelernter, sondern ein originärer Sozialdemokrat von tiefer Überzeugung – ein Eisenbahnersohn aus Dortmund, mit ersten politischen Sporen schon in der Weimarer Zeit, nach dem Krieg einer der bestimmenden Politiker in Baden-Württemberg. Auch nach seiner Demission und später nach seinem Abschied von Bundestag und Führungsgremien der Partei blieb er, bis zuletzt, ein Ratgeber und immer ein Anwalt finanzpolitischer Solidität, mit heutigen Begriffen ein Stoltenberg der SPD.

Welche Rolle es einmal spielte, daß die Sozialdemokraten in ihrer Führungsmannschaft einen herrenmäßig auftretenden Millionär hatten, das läßt sich inzwischen kaum noch ermessen. Aber wenn die Wähler der so sehr an Leistung, Wohlstand und neuer Reputation orientierten Nachkriegsgesellschaft schließlich auch den Sozialdemokraten den Weg zur Macht freigaben, dann hatten sie nicht zuletzt einen Mann wie Alex Möller vor Augen. c.-c. k.