In völlig verkorksten Welten spielen die SF-Kurzgeschichten des Ostberliner Naturwissenschaftler- und Autorenehepaares Angela und Karlheinz Steinmüller. Sie besenreiben das Schicksal vereinzelter, oft desorientierter Menschen im Mahlstrom alltäglicher Freizeit-Technik (atomgetriebene, vollelektronische Eierkocher) und unmenschlicher (weil emotionsloser) Regierungssysteme. Dabei bedienen sich die Steinmüllers des gesamten Motiworrats herkömmlicher Sciencefiction: Reisen in Raum und Zeit, künstliche Menschen, verseuchter Erdball, degenerierte Menschen usw.

Doch was schon im Roman „Andymon“ (Union Verlag, 1983) fehlschlug, gerät auch in der nun vorliegenden Story-Sammlung „Der Traum vom Großen Roten Fleck“ zur unbeholfenen Parodie auf die effektvoll-reißerische SF, die wir seit einem Vierteljahrhundert in immer neuen Variationen aus Amerika beziehen. Mit deutscher, oder gar ostdeutscher Science-fiction hat das leider nichts zu tun.

Angela und Karlheinz Steinmüller: „Der Traum von Großen Roten Fleck“; Phantastische Bibliothek 147, Suhrkamp, Frankfurt; 220 S., 9,– DM.

Sekundärliteratur zur Science-fiction hat keine besondere Tradition, tritt nur sporadisch auf und ist meist bemüht, dem „unansehnlichen“ Genre Respekt zu verschaffen. Eine hervorragende Dokumentation ist der großformatige Band „Zukunftsträume“. Er schildert in 20 Beiträgen, wie SF-Motive benutzt werden, um Schallplatten, Kinderspielzeug, Sekt und Orangenmarmelade zu verkaufen. Von H. G. Wells bis George Lucas, vom Krieg der Welten zum Krieg der Sterne: Science-fiction zwischen Kunst, Kitsch und Kommerz – ein kompetent kommentierter Augen- und Hirnschmaus.

„Zukunftsträume – Bildwelten und Weltbilder der Science-fiction“, herausgegeben von Harald Kimpel und Gerd Hallenberger; Edition 8 1/2 Lothar Just, Ebersberg; 222 S., Abb., 39,–DM.

„Denkspiele aus der Zukunft“ heißt eine neue Sammlung logisch-mediokrer Rätsel des amerikanischen Denkwissenschaftlers Martin Gardner. Der vor allem durch seine Beiträge im Scientific American bekannte Autor präsentiert in der Homo Ludens-Reihe des Münchner Hugendubel Verlags 36 Wort-, Zahlen- und Gedankenspiele aus Algebra, Geometrie und Logik im utopisch-technischen Gewand. Dazu gehört das Vorwort des nimmerwelken SF-King Kongs Isaac Asimov, ebenso wie die hintergründigen Überschriften der Knobeleien: „Weltraum Billard“, „Urlaub auf dem Mond“ oder (mißraten) „Dracula mixt sich einen Martini“. – Wer seine Rätsel lieber vor einem märchenhafteren Hintergrund löst, dem sei Raymond Smullyans neuestes Knobelwerk „Alice im Rätselland“ empfohlen. Welche Alice? Wer war der Tortendieb? Wer ist verrückt? Zwiddeldum oder Zwiddeldei? Dies sind nur einige der vielen Fragen, denen sich der Leser im Verlauf der seltsamen Geschichten stellen muß. Ein zauberhafter Trimm-dich-Pfad für streßgeplagte kleine graue Zellen. Mit einem Vorwort von Martin Gardner ...

Martin Gardner: „Denkspiele der Zukunft“, aus dem Amerikanischen von Peter Ripota; Hugendubel, München; 143 S., 19,80 DM.