Ein Künstler, den man mag oder auch nicht: A. Paul Weber. Wenige Künstler des 20. Jahrhunderts machen es dem Betrachter scheinbar so leicht, ein persönliches Geschmacksurteil zu fallen, wie dieser Zeichner, Holzschneider und Lithograph. Vom sonntäglichen Bad der Igelfamilie bis zum Umweltskandal, von Reineke Fuchs bis zum bissigen Politiker-Porträt reicht sein Repertoire. Unbestritten ist er ein Volkskünstler (kein Heimatkünstler), war und wollte auch niemals Avantgardist sein und wird heute von Sozialdemokraten genauso gern zitiert, wie von konservativen Regionalpolitikern geliebt. Heikel wird die Geschichte bei seinen politischen Bildern: den Illustrationen zur Niekisch-Broschüre „Hitler – ein deutsches Verhängnis“ oder der Folge „Britische Bilder“ (1941 erschienene, scharfe Karikaturen auf die imperialistische, ausbeuterische Natur der Engländer). Nur selten wird die Chance genutzt, gerade das Werk dieses immer engagierten Augenzeugen, dem es weniger um stilistische Erneuerung als möglichst breite Verständlichkeit ging, mit all seinen Brüchen darzustellen und nicht auf ein „richtiges“ Weber-Bild hinzubürsten. Eine neue Grunalage für Forschung und Freunde hat jetzt Helmut Schumacher mit einem Werkverzeichnis der Illustrationen vorgelegt. Kein opulenter Prachtband, sondern eine solide Arbeit, stellt das Buch A. Paul Weber als Illustrator von Büchern, Zeitschriften, Almanachen und Kalendern vor, die seit den zwanziger Jahren Lektüre, alltägliche Unterhaltung oder Information waren. (Helmut Schumacher: „A. Paul Weber, Das illustrierte Werk. 1911-1980.“ Lucifer Verlag, Lübeck, 1984. 240 S., Abb., 168,– DM; außerdem erschien gerade ein „Werkverzeichnis der Holzschnitte und Lithographien“, herausgegeben von Erich Arp im Christians Verlag, Hamburg; 165 S., Abb., 29,80 DM.) E. v. R.