Zwei Könige der Schauspielkunst und ihre Memoiren: Laurence Olivier und Bernhard Minetti

Von Benjamin Henrichs

Bisher hielt ich Schauspieler-Memoiren für die überflüssigsten Bücher der Welt. Noch nie habe ich eines von ihnen zu Ende gelesen. Jetzt aber gleich zwei.

Einen Künstler "persönlich kennenzulernen" – wer hätte nicht manchmal den Wunsch. Meist aber ist es besser, der Wunsch bleibt unerfüllt. Denn strenggenommen gibt es nur einen einzigen Ort, an dem man einen Künstler wirklich kennenlernen kann: Seine Kunst. Sie ist der persönlichste Bezirk seiner Person.

Beinahe nichts kann aufregender sein als ein großer Schauspieler auf der Bühne. Beinahe nichts kann langweiliger sein als ein Schauspieler hinter der Bühne, "ganz privat". Als würden die vielen Personen, die ein Schauspieler zu spielen hat, seine eigene Person aufzehren, auslöschen.

Auf der Bühne ist der Schauspieler ein Brandstifter, hinter der Bühne, "im Leben", ist er oft genug ein Biedermann. Der Künstler als Bürger – man hat es ja immer geahnt, aber so genau hat man es eigentlich nicht wissen wollen. Man schaut einer Doppelrolle zu und ist wenig erbaut.

Dann gibt es natürlich auch den anderen Typus Den Schauspieler, der immer nur eine Rolle spielt, die des Schauspielers. Der nicht eine biedere Zweitexistenz hat, sondern gar keine. Der auch im Leben zwanghaft immer bloß Theater macht. Der, wo immer er hinkommt, seinen Auftritt haben muß. Dieser Schauspieler ist der Star und der Schrecken aller Kantinen, Künstlerkneipen, Hotelhallen.