NDR III, Sonnabend, J. Oktober: "Fixer, Freaks und Globetrotter – Ein christlicher Ashram in Indien", Film von Bernd Kowalkowski und Michael Koschmieder.

Die Sonne scheint. Da; Meer ist blau. Die Palmen rauschen im Wind. Ein Hippie-Mann küßt seine Hippie-Frau. Noch sieht alles aus wie Frischwärts-Reklame. Dunkelhäutige indische Fischer kommen ins Bild, dürre, drahtige Männchen, die mit großer Anstrengung mächtige Fischerboote auf den Strand ziehen und zerren. Ein gesund aussehender, groß gewachsener Globetrotter schlendert der Abendsonne entgegen, bereit einen weiß gekleideten Freak an und bekommt eine Rupie. Europäische Aussteiger im indischen Goa. Manchen geht es gut. Anderen geht es dreckig. Für sie alle gründete Pater Anand – eigentlich heißt er Josef Böckenhof – seinen christlichen Ashram "Om Yeshu Niketan". Er habe auch schon Heroinsüchtigen geholfen, durch den Entzug zu gehen.

Bestimmt sehr anerkennenswert. Aber das tun andere anderswo auch. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, daß dafür in Goa die Bedingungen besonders hart sind; im Gegenteil: Das Klima ist angenehm, das Leben ist billig, die Bevölkerung ist freundlich.

Das jedenfalls sind die Eindrücke von Bernd Kowalkowski und Michael Koschmieder, die für diesen dröge abgedrehten Report immerhin 30 Sendeminuten bekamen. Entweder fanden sie keinen Zugang zu der indischen Bevölkerung in Goa (noch zu den Bewohnern des Ashrams) oder aber sie wurden nach einer kurzen Weile genauso faul wie mancher weißhäutige Ashram-Bewohner und Aussteiger in Goa oder anderswo in Indien, der Trägheit mit Meditation zu verwechseln pflegt.

So ließen denn die beiden Autoren unablässig und ungebremst Pater Anand in die Kamera plaudern. Josef Böckenhof tat das anfangs mit verlegener Miene, aber nach und nach immer dreister und schwatzsüchtiger.

Gemeinsame Mahlzeit im Ashram, eine Frau schneidet der anderen das Haar, ein paar Yoga-Übungen gegen das rauschende Meer. Das waren die optischen Einstellungen. Wäre nicht per Zufall vor Drehschluß ein extrem vergifteter Drogenabhängiger aus der Schweiz in den Ashram und vor die Fernseh-Kamera gestolpert, man hätte so gar nichts fürs Auge gehabt.

Wieso wurde nicht gezeigt, woher üblicherweise Ashram-Bewohner in Goa kommen und wohin sie auch meistens wieder zurückgehen: Hippie-Kolonien in Baga, Anjuna-Beach und Calangute, extrem verrückt und farbenfroh, ausgeflippte Menschen, reizvolle Szenerien, allerdings eben angesiedelt in einem Land der sogenannten "Dritten Welt". Zwar ist Goa nach dem Punjab im Durchschnitt eine der wohlhabendsten Ecken Indiens, aber eben in Indien.