Was Sie bisher über Professoren wußten, sollten Sie schleunigst vergessen: Es ist falsch. Ein Referentenentwurf aus dem Bonner Innenministerium jedenfalls räumt mit unseren liebgewonnenen, aber allzu simplen Vorstellungen auf, so, wie es das Bundesverfassungsgericht vor zwei Jahren höchstrichterlich bestimmte: Professor ist nicht Professor, „amtsangemessen“ und „aussagekräftig“ muß so ein Titel sein.

Die Beamten des Innenministeriums nahmen diesen Auftrag sehr ernst und präsentierten uns jetzt eine neue Skala: Der, von dem wir bisher dachten, er sei ein Professor, ist in Wahrheit Universitätsprofessor – vorausgesetzt, er hat die beiden oberen Spitzengehälter C 3 oder (noch besser) C 4. Hat er Pech und lehrt er nur an einer Einrichtung namens Hochschule, muß er sich gefallen lassen, Hochschulprofessor genannt zu werden, da helfen weder eine C 3 noch eine C 4.

Nun gibt es aber noch die Gesamthochschulen, diese bunte Mischung aus Hoch- und Fachhochschule. Hier müssen die Referenten lange überlegt haben, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wer da in einem wissenschaftlichen Studiengang sein Brot verdient, wird mit dem, künftig ranghöchsten Titel Universitätsprofessor belohnt. Nicht so sein C 2-Kollege, der sich um die Fachhochschüler kümmert. Er bleibt ein ganz gewöhnlicher Professor – wie die anderen C 2-ler und C 3-ler, die an regulären Fachhochschulen ihren, vielleicht ehrenwerten, wohl doch aber nicht ganz wissenschaftlichen Dienst verrichten.

Sie können sich jedoch damit trösten, daß sie die einzigen sein werden, die ihre Briefköpfe keiner Revision unterziehen müssen. Sie sparen Zeit und Geld. Es sei denn – und hier wird endgültig offenbar, mit wieviel Liebe die Beamten an ihrem Entwurf gefeilt haben – sie sind C 2-Amtsträger und in Sachen Kunst oder Pädagogik tätig. Dann nämlich lautet der bewußtseinserweiternde Titel Professor an einer Kunsthochschule oder Professor an einer Pädagogischen Hochschule.

Bleibt nur noch ein Dilemma: Was passiert mit den zwar langsam aussterbenden, aber noch reichlich vorhandenen C 2-Stellenbesitzern an den Universitäten? Die, fanden die Referenten, sollen sich auch schlicht Professor nennen wie die C 2-Leute an den Fachhochschulen. Das könnte etwas eilfertig gewesen sein, denn der Hochschulverband vermißt hier das unverwechselbare Etikett, das diesen C 2-Typ von dem anderen C 2-Typ unterscheidet. Bahnt sich hier ein neuer Verfassungsstreit an?

Übrigens auch für den Emeritus ist gesorgt. Die kleinen Unterschiede gelten genauso für Ruheständler, denen es in Zukunft nicht einerlei sein sollte, ob sie als Ex-Universitätsprofessor, als Ex-Hochschulprofessor oder gar nur als Ex-Professor ihre Nachbarn grüßen. Dorothea Hilgenberg