Von Erika Martens

ZEIT: Herr Breit, vor gut einer Woche haben Sie und andere führende Gewerkschafter einen Dauerkrieg mit der Regierung prophezeit. Jetzt, wenige Tage später, deuten Sie Gesprächsbereitschaft an. wollen Sie das Kriegsbeil nun wieder begraben?

Breit: Der Begriff Dauerkrieg stammt nicht von mir. Ich halte dieses kriegerische Vokabular auch nicht für angemessen. Wer den Gewerkschaften, wie es der Bundeskanzler getan hat, eine Politik der verbrannten Erde vorwirft, der nimmt gefährliche sprachliche Anleihen. Von einem Dauerkonflikt zwischen Regierung und Gewerkschaften kann man allerdings durchaus sprechen. Dennoch haben wir auch in der Vergangenheit kein Gesprächsangebot verweigert, wenn die Chance zu bestehen schien, über konkrete Probleme mit Aussicht auf Erfolg miteinander zu reden.

ZEIT: Über welche Probleme könnte man denn jetzt miteinander reden?

Breit: Man müßte über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit reden, aber das Dreiergespräch vom 5. September hat gezeigt, daß in dieser entscheidenden Frage Reden zur Zeit wenig nützt.

ZEIT: Aber zum Thema Arbeitskampfrecht wären Sie zu einem Gespräch bereit. Das haben Sie doch am Wochenende gerade angedeutet. Breit: Meine Bemerkung vor den Delegierten der CDU-Sozialausschüsse bezog sich auf die besonders von den Arbeitgebern angestrebte Änderung des Paragraphen 116 Arbeitsförderungsgesetz, mit der die Zahlung von Kurzarbeitergeld an nur mittelbar vom Streik betroffene Arbeitnehmer ausgeschlossen werden soll. Wir sehen in dieser Frage, mindestens so lange die laufenden Gerichtsverfahren nicht zum Abschluß gebracht worden sind, keinen Handlungsbedarf. Aber das heißt nicht, daß wir nicht in der Lage wären, darüber zu reden, wenn Bundesregierung und Arbeitgeber das dringende Bedürfnis dazu haben. Ich weiß aber nicht, ob ein solches Bedürfnis vorliegt.

ZEIT: Laufen Sie bei einer solchen Haltung nicht Gefahr, daß an den Gewerkschaften vorbei etwas auf den Gesetzesweg gebracht wird, was Ihnen arge Schwierigkeiten bereiten könnte?