Es ist etwas Infektiöses an den Gemeinplätzen, etwas Pilzartiges an der Banalität. Im subtropischen Klima der Dummheit befällt sie jedes Thema, jedes Gespräch. Da wird dann so munter über Potenzprobleme und Menschenrechte geplaudert, daß man ein Gespräch übers Wetter, übers Reiten und Reisen geradezu herbeisehnt. Wo das Bekenntnis, das Geständnis zum Gemeinplatz wird, ob in den Briefkastenspalten der Magazine, im trauten Familienkreis oder in der politischen Diskussion unter „Betroffenen“, da wird die Intimität zur Tyrannei. Wir zitieren wieder Gustave Flauberts „Wörterbuch der Gemeinplätze“ nach der Übersetzung von Monika Petzenhauser, erschienen im Matthes & Seitz-Verlag, München.

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PFLANZE. Heilt ausnahmslos alle Körperteile, denen sie ähnlich ist.

PFLICHTEN. Die anderen haben sie uns gegenüber, den anderen gegenüber hat man selber keine.

PHANTASIE. Immer „rege“. Man muß ihr mißtrauen. Hat man keine, so muß man sie bei anderen herabsetzen. Zum Romanschreiben braucht man bloß Phantasie zu haben.

PHILOSOPHIE. Hämisch lachen.

PHLEGMA. Phlegma muß man haben; einmal beweist es Lebensart, und außerdem wirkt es englisch. Immer „unerschütterlich“.