Wolf gang Kieling

Ein Tod, ein Gang ins Zeitungsarchiv: viel, unübersehbar viel ist dort über Wolfgang Kieling zu finden. Doch fast gar nichts mehr über den Schauspieler Kieling. Er war ein Star – und wie bei vielen Stars hat das Interesse an der Person und ihrer „skandalösen“ Biographie das Interesse an der Schauspielkunst fast völlig ausgelöscht. 1968 war Kieling, aus Protest gegen den „Verfall des westdeutschen Kulturbetriebs“ und gegen die Vietnam-Politik der USA, in die DDR übergesiedelt; 1970 war er zurückgekehrt. „Artist im geteilten Land: heimatlos“, schrieb damals die FAZ. In den letzten Jahren interessierten sich die Zeitungen dann weniger für die politischen als für die privaten Kümmernisse des Schauspielers: für die chaotische Geschichte seiner Ehen, für seine Krankheiten, für die Todeskrankheit Krebs, der er, 61 Jahre alt, am 7. Oktober in Hamburg erlag. Als Schauspieler war Kieling längst auf eine Rolle festgelegt: der beste Schurkendarsteller in Deutschland West und Ost. Wenn man seine zahllosen Film- und Fernsehauftritte noch einmal kritisch besichtigen würde, könnte man auch Besseres entdecken, einen der guten, interessanten Schauspieler unserer Zeit: einen düsteren, doch niemals dumpfen Mann; einen virtuosen, doch niemals schmierigen Komödianten.

Rock Hudson

Fassbinder nannte ihn einen „großen Primitiven“. Bei dem von Fassbinder über alles bewunderten Douglas Sirk, dem aus Deutschland stammenden Meister des artifiziellen Hollywoodmelodrams, spielte Rock Hudson seine besten Rollen. Als verschlossener Kleiderschrank mit hinterwäldlerischem Charme war er der Mann, auf den die Frauen, die prüden zumal, wie wahnsinnig fliegen und um den sie, natürlich, kämpfen müssen. Sein Naturburschentum war da nie frei von gefährlichen erotischen Untertönen. Bekannter wurde er als Partner von Saubermammi Doris Day in so spießigen Flirtkomödien wie „Bettgeflüster“. Großartig war er in „Giganten“, wo er. sich nicht neben James Dean zu verstecken brauchte und als Partner von Elizabeth Taylor glänzte. Dieser Film brachte ihm das Markenzeichen „der Unzerstörbare“ ein. Zuletzt spielte Rock Hudson als Gastdarsteller in einer Episode der Fernsehserie „Denver“ mit: Die Kußszene, die er dort mit „Krystle“ Linda Evans hatte, löste bald im bigotten Hollywood Hysterie aus – es war bekannt geworden, daß Rock Hudson an AIDS erkrankt war. An dieser Krankheit starb er im Alter von 59 Jahren.

Herbert Bayer

So gehen sie allmählich dahin, die letzten Bauhaus-Meister selbst der zweiten Generation: die letzten Bauhaus-Zeugen. Dieser Tage starb bei Santa Clara in Kalifornien, 85 Jahre alt, Herbert Bayer, ein liebenswürdiger Mann, ein außergewöhnlich vielseitiger Künstler. Kurz nachdem er in Weimar begonnen hatte, entwarf er das Briefpapier seines Direktors Walter Gropius. Er avancierte bald, leitete bis 1928 die Druckerei des Bauhauses und die Reklamewerkstatt, dann zog er nach Berlin und machte sich als Graphiker selbständig, 1938 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. Er war Typograph und Graphiker, er photographierte und fertigte Photocollagen an. Er malte abstrakte Bilder, entwarf Skulpturen, nicht zuletzt Bodenskulpturen und Skulpturengärten. Er versuchte sich sogar als Architekt, besonders in Aspen. Er war ein Bauhaus-Künstler: einer, dessen Gestaltungslust kein Gebiet unseres Daseins ausließ, weder ein ästhetischer Asket noch ein Doktrinär. Die ganze Umwelt erregte sein Interesse: die Welt.

Werner Vordtriede

Der 1915 in Bielefeld geborene Vordtriede verließ Deutschland 1933 aus freien Stücken. Sein amerikanisches Exil war Ausdruck einer inneren Verweigerung. Schon der Vierundzwanzigjährige träumte von „Kapiteln möglicher Romane“; aber erst vierzig Jahre später war für ihn die Zeit gekommen, den theoretischen Konjunktiv in eine Wirklichkeitsform des Erzählens zu verwandeln. Wissenschaft und Poesie waren für Vordtriede keine Gegensätze; es sei ebenso nachdrücklich an ein Kultbuch der deutschen Komparatistik („Novalis und die französischen Symbolisten“, 1963) wie an die literarischen Rätsel- und Rollenspiele seiner drei Romane erinnert. Von 1962 bis 1979 hat Vordtriede in München Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft gelehrt – kein Ordinarius, aber ein Mentor und Freund seiner Studenten. Vordtriede starb am 26. September.