Chilenischer Lichtblick

Der chilenische Präsident und Diktator Pinochet kann sich auf seine Junta nicht mehr hundertprozentig verlassen. Luftwaffenchef Fernando Matthei nahm vor Journalisten zu der Nationalen Vereinbarung von elf Oppositionsparteien Stellung: „Ich kann nicht umhin, mit Wohlwollen zur Kenntnis zu nehmen, daß es eine sehr wichtige Gruppe von Persönlichkeiten gibt, die ihre Unterschrift für die Demokratie abgeben.“ Matthei, das liberalste Juntamitglied, gab auch zu verstehen, wie die Opposition vorgehen solle: erst einmal ihre Differenzen beilegen und dann Treue zur gegenwärtigen Verfassung bekunden. Mit anderen Worten: Pinochet soll zu Verhandlungen gezwungen werden.

Kommunaler Bankrott

Das Haushaltsdefizit der Regierung in Washington – stolze 180 Milliarden Dollar – macht den 12 000 Einwohnern von Clairton im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania weniger Kopfschmerzen als die leere Kasse des Stadtkämmerers. Hochverschuldet und mit gerade noch 1000 Dollar Bargeld in der Bank mußte die Kommune jetzt als insolvent geschlossen werden. Die Straßenbeleuchtung bleibt nachts ausgeschaltet, der Polizeiposten und die Feuerwehrwache wurden geschlossen. Fast genauso schlecht sieht es in anderen Städtchen des heruntergekommenen amerikanischen Stahlreviers aus. Der Steel Belt ist zum Rust Belt („Rostgürtel“) geworden. Über 700 000 Stahlarbeiter verloren in den letzten Jahren ihre Jobs, die Steuereinnahmen der alten Industriestädte sanken dramatisch und ihre Schulden waren nicht mehr zu tilgen. „Wir sind pleite.“ sagt Clairtons Bürgermeister Daniel Pastore – und hofft wahrscheinlich auf Hilfe aus der Bundeskasse. Wenn die Stadt eines Tages saniert ist, böte sich vielleicht die Städtefreundschaft mit einer ähnlich geplagten Stahl-Stadt in England oder an der Ruhr an.

Glückliche Franzosen

Wenigstens um den Gemütszustand seiner Landsleute muß François Mitterrand sich offenbar keine Sorgen machen. 85 Prozent der Franzosen sind nach einer ernstzunehmenden Meinungsumfrage „glücklich“, allerdings nicht wegen der Politik, für die sie sich nicht interessieren: Sie genießen Heim und Familie, Freizeit und überhaupt „les choses de la vie“ – die wahren Dinge des Lebens, traditionelle Werte, zwischenmenschliche Beziehungen. Beruf und Karriere rangieren unter ferner liefen. Die Umfrage fand zwischen dem 9. und dem 19. Juli statt. Die Versenkung eines kleinen Schiffs mit Umweltschützern an Bord vor der neuseeländischen Küste, geschehen am 10. Juli, war damals noch kein Thema.

Fahndung nach den Fahndern

Rajiv Gandhi räumt auf. Und die wenigen Steuerzahler Indiens durften sich freuen, daß es ihren Feinden – den schwarzen Schafen unter den Finanzbeamten – an den Kragen geht. Beamte der indischen Bundespolizei überführten gleich fünf hohe Steuerbeamte der Bestechung und Steuerhinterziehung. Die sündigen Staatsdiener litten offenbar darunter, daß sie im Gegensatz zur großen Mehrheit ihrer Landsleute ihr legales Einkommen vor der eigenen Behörde nicht verstecken konnten. Darum verbesserten sie es mit wohlwollenden Steuerprüfungen, für die sie viel Geld kassierten – aber auch Gold und Silber, Aktien, Immobilien, Haushaltsgegenstände und Whisky.