Von Zinsoptimismus gibt es keine Spur mehr. Der Rest verschwand, als sich die Bundesbank entschloß, den Mindestbietungssatz, zu dem sich die Kreditinstitute bei ihr im Wege eines sogenannten „Zinstenders“ Geld pumpen können, um 0,05 Mark anzuheben. Damit wird dokumentiert, so heißt es, daß auch die Währungshüter in Frankfurt zur Zeit keinen Zinssenkungsspielraum mehr sehen.

Seit Beginn dieser Wochen bewegen sich die Renditen am Rentenmarkt wieder nach oben. Hauptsächlich auch deshalb, weil im Gegensatz zu den vorangegangenen Wochen die Ausländer an deutschen Anleihen kaum noch interessiert sind. Es wird vermutet, daß von der Währungsseite her gesehen, Mark-Anleihen nur noch einen geringen Anreiz bieten. Der Dollar hat mit einem Preis von etwas mehr als 2,60 Mark einen Stand erreicht, der sich in nächster Zeit halten läßt – so wird jedenfalls angenommen.

Wenn aber deutsche Anleihen nicht mehr im nennenswerten Umfang ins Ausland abfließen, stehen die Kreditinstitute vor der Aufgabe, Platz für die Oktober-Emissionen zu schaffen. Dies um so mehr, als die neue Bundesanleihe mit einer Rendite von 6,43 Prozent im Inland kaum absetzbar ist. Große Teile werden vorerst von den Konsortialbanken gehalten werden müssen.

Ähnliches deutet sich für die bevorstehenden oder schon angekündigten auf Mark lautenden Anleihen ausländischer Schuldner an. Rund fünf Milliarden wird ihr Volumen nach der gegenwärtigen Planung bis zum Monatsschluß betragen. Auch hier sind die Konditionen weitgehend auf Ausländer abgestimmt worden. So bringt die neue Anleihe der kanadischen Provinz Manitoba nur noch eine Rendite von 6,44 Prozent. Es besteht also kaum eine Differenz zur Bundesanleihe. K. W.