Von Anatol Johansen

In nächster Zeit werden eine ganze Reihe europäischer und amerikanischer Wissenschaftler Beiträge zum amerikanischen Forschungsprogramm für die Weltraumverteidigung liefern – ohne es zu wollen oder verhindern zu können. Denn die Ergebnisse ihrer rein zivilen Forschungsarbeit werden für die "Strategie Defense Initiative", für das kurz SDI genannte Star-Wars-Konzept dringend gebraucht.

Manche Forscher mögen noch ein Auge zudrücken, wenn beim bevorstehenden ersten deutschen Spacelab-Flug D 1 (Deutschland 1) mit den beiden Astronauten Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid ein militärischer Satellit mit an Bord genommen werden soll – obwohl die Bundesrepublik für dieses Unternehmen, das am 30. Oktober beginnen soll, 400 Millionen Mark bezahlt. Doch wenn das ausdrücklich nur für die friedliche Weltraumforschung bestimmte und in Europa gebaute bemannte Weltraumlabor Spacelab direkt für die SDI-Forschung eingesetzt wird, dürfte das seine Konstrukteure wohl kaum in gehobene Stimmung versetzen. Das aber soll nach der gegenwärtigen Planung bald der Fall sein. Für den Juni 1987 planen die SDI-Verantwortlichen einen Flug, bei dem das Spacelab an Bord eines Raumtransporters für Laserversuche zur Weltraumverteidigung eingesetzt werden soll.

Dabei sollen aus der geschlossenen Spacelab-Kabine durch ein Fenster Laserstrahlen auf einen oder mehrere große Spiegel gelenkt werden, die auf der zum Weltraum hin offenen Plattform des Spacelab befestigt sein werden. Die beweglichen Spiegel sollen dann den Laserstrahl auf Satelliten oder andere Ziele weiterlenken. Auf diese Weise hoffen die Militärforscher zu ergründen, ob eines der wichtigsten SDI-Konzepte – anfliegende sowjetische Atomraketen mit Laserstrahlen auszuschalten – realistisch ist oder nicht. Dabei wird natürlich der dann verfügbare Laser noch nicht über jene Intensität verfügen, die zur Beschädigung von Raketen notwendig ist (die Bereitstellung der notwendigen Energiemengen für den Laser wird ohnehin zu einem der größten Probleme des SDI-Programms werden).

Zwar könnte der Versuch notfalls auch ohne das Raumlabor durchgeführt werden. Doch bietet die Kombination von Raumtransporter und Spacelab die Möglichkeit, den Laser besser zu kontrollieren und zu justieren – möglicherweise auch zu reparieren. Deshalb wollen die SDI-Planer auch einen militärischen Astronauten im Juni 1987 mit an Bord haben. Ein solcher Astronaut war bei der Lieferung des Himmelslabors an die Amerikaner nicht vorgesehen.

Für die deutsche Seite ist ein weiterer Punkt beunruhigend. Es könnte sein, daß der von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) – weitgehend auf eigene Kosten – gebaute Satellit Spas ("Shuttle Pallet Satellite") bei den geplanten SDI-Experimenten mit dem Spacelab eingesetzt wird. Denn Spas eignet sich hervorragend dazu, vom Raumtransporter ausgesetzt und später wieder eingefangen zu werden – eine Fähigkeit die der Satellit schon beim siebenten Shuttle-Flug im Juni 1983 unter Beweis gestellt hat (siehe Photo).

Spas könnte im Weltraum ausgeladen werden und bei den Laserversuchen als Ziel dienen. Dabei könnte der Satellit mit speziellen Meßgeräten und Sensoren ausgestattet werden, mit denen sich die Abschwächung des Laserstrahls in der Relation zur Entfernung, sein Ausfächern und viele andere für die SDI-Forschung interessante Details messen ließen. Allerdings wird es bei dem Versuch im Jahr 1987 nicht nur um Laser gehen, sondern auch um die Fähigkeit, generell Ziele im Weltraum zu orten und dann – trotz hoher Geschwindigkeiten sowohl des Zieles als auch der Laserquelle – laufend im Visier zu behalten. Damit gewinnt der vorgesehene Test Bedeutung nicht nur für Laserwaffen, sondern auch für SDI-Alternativen wie etwa energiereiche Partikelstrahlenwaffen oder winzige Hochgeschwindigkeitsprojektile.