Der Einstieg von Daimler in die AEG hat die Spekulationen um die Zukunft des zweitgrößten deutschen Elektrokonzerns zunächst einmal beendet. Jetzt werden für die AEG-Aktie neue Bewertungsmaßstäbe gesucht.

Einige Leute besaßen eine gute Nase. Schon seit längerer Zeit zeigten sie sich an größeren Posten AEG-Aktien interessiert. Und zwar zu steigenden Kursen. Am Jahresbeginn waren AEG-Aktien mit 102 Mark notiert worden. Bevor die AEG-Notiz in der vergangenen Woche ausgesetzt wurde, mußten schon 162 Mark bezahlt werden.

Den letzten Anstoß zur AEG-Hausse gaben Gerüchte, wonach Bosch beabsichtigen sollte, die

Mehrheit des Frankfurter Elektrokonzerns zu übernehmen. Das wurde zwar sofort dementiert. Dennoch befanden sich die Börsianer auf der richtigen Fährte. Nur war nicht Bosch der Interessent – sondern Daimler.

Das Aussetzen der AEG-Notiz konnte natürlich den außerbörslichen Handel in AEG-Aktien nicht verhindern. Es bildeten sich rasch Kurse, die über 200 Mark hinausgingen. Um so größer war die Enttäuschung, als Daimler erklärte, AEG-Aktien zum Kurs von 170 Mark aufkaufen zu wollen. Die Börsianer ließen jedoch nicht lange die Köpfe hängen.

Nach kurzem Nachdenken setzte sich die Ansicht durch, daß das Aufkaufangebot von Daimler lediglich den Zustand berücksichtigt, den die AEG ohne Anlehnung an einen potenten Großaktionär geboten hatte, nämlich den eines durch Krisenjahre ausgelaugten Konzerns, dessen Wunden nur langsam heilen.

Immerhin rechnen die Analysten der Banken bei AEG in diesem Jahr aber schon mit einem Ertrag je Aktie von 13 und im kommenden Jahr mit 16 Mark. Damit ließen sich Kurse um 170 Mark gerade noch rechtfertigen. Insofern ist der "Abfindungskurs" von Daimler mit 170 Mark durchaus als fair zu bezeichnen.