Die Dreizehn wird künftig auch die Glückszahl des deutschen Postministers sein. Mit dreizehn zu elf Stimmen nämlich hat der Postverwaltungsrat der 28. Änderungsverordnung zur Fernmeldeordnung zugestimmt – in geheimer Abstimmung. Wann es eine solche zuletzt gegeben hat, ist schwer festzustellen, so selten ist diese Prozedur bei Vorlagen des Postministers. Aber diesmal ging es um Kabelgebühren und da gibt es Leute, die nicht ganz offen Farbe bekennen, sei es aus Rücksicht auf ihre Partei, sei es aus Angst vor dem Postminister, der immerhin auch Dienstherr der Verwaltungsratsmitglieder ist, die als Personalratsvertreter im Rat sitzen.

Nach der Sitzung erklärte Peter Paterna, SPD-Abgeordneter und Verwaltungsratsmitglied: "Klarheit ist nicht geschaffen, denn viele Fragen bleiben offen." Klarheit bestand lediglich hinsichtlich der Person des Postministers. Christian Schwarz-Schilling bleibt der Post, der Bundesregierung und der Republik erhalten, trotz seiner Niederlage, die nun per Abstimmung in einen Scheinsieg umgemünzt wurde.

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Wäre Schwarz-Schilling nämlich bei der drastischen Erhöhung der Kabelgebühren geblieben, die er schon Mitte September verkündet hatte, so hätte er im Verwaltungsrat keine Mehrheit gefunden. Und ein Postminister, der seinen Aufsichtsrat nicht mehr hinter sich hat, sieht schon schlecht aus, ein von politischem Geschick und Gespür nicht eben begnadeter Schwarz-Schilling noch schlechter. Am Ende zeigte er aber doch Sinn für raffinierte Taktik.

So reduzierte er die umstrittene Anschlußgebühr für das Einzelhaus (vorgesehen war eine Erhöhung von 500 auf 750 Mark) auf nunmehr 675 Mark. Außerdem wurde das Inkrafttreten der höheren Anschlußgebühren auf Ende 1987 verschoben, die Gebührensenkungen hingegen gelten schon von Januar 1986 an.

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Jedem Eingeweihten ist damit klar, daß die Post weiter ins Kabeldefizit gerät, weil ja schon die vom Minister vorgeschlagenen höheren Gebühren die Kosten nicht decken. Aber Schwarz-Schilling mußte nachgeben, weil er die Zustimmung der Flächenländer – etwa Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz – benötigte. Diese Länder, bis zu 80 Prozent mit Ein- und Zweifamilienhäusern bebaut, sind durch die drastische Gebührenerhöhung für Einzelanschlüsse besonders hart betroffen und fürchten nicht zu Unrecht, daß die Bürger sich nicht anschließen lassen.