Von Jens Schmidthammer

Für die einen sind sie Teufelswerk, die anderen halten ihre Kritiker für Simulanten und Meckerer – die öffentliche Diskussion um Klimaanlagen wird polemisch, ja erbittert geführt. Wie auch soll man sachlich argumentieren zu etwas Unwägbarem wie Luft? Der "Klimaverbraucher" steht allein und kommt sich nicht selten für dumm verkauft vor: Klagt er über Beschwerden in klimatisierten Gebäuden, bestätigen Haustechniker oder herbeigerufene Sachverständige der Raumlufttechnischen (RLT-) Anlage einwandfreies Funktionieren. Der naheliegenden Vermutung, daß vielleicht die Kriterien für einwandfreies Funktionieren nicht stimmen könnten, wurde bislang nur ausnahmsweise nachgegangen.

Eine in diesen Tagen vorgestellte Studie des Münchner Mediziners Peter Kröling könnte dazu beitragen, die Diskussion zu versachlichen. Krölings Untersuchung zu "Gesundheits- und Befindensstörungen in klimatisierten Räumen", vom Bundesministerium für Forschung und Technologie finanziert, hatte unter anderem zum Ziel, festzustellen, ob sich Menschen in klimatisierten oder in konventionell beheizten Räumen wohler fühlen.

Infratest führte eine Repräsentativerhebung durch. "Eine der Schwierigkeiten war, daß die Befragten nicht merken durften, daß es um Klimaanlagen ging. Wir wollten keine vorgefaßten Meinungen ermitteln", erläutert Kröling. Also tauchte das Wort "Klimaanlage" bei der (Haustür-)Befragung von Infratest nur in einer versteckten Filterfrage auf (Beschäftigte in klimatisierten wie in konventionell beheizten Gebäuden wurden interviewt).

Zentrales Thema der Befragung waren das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und beeinträchtigende Faktoren. Es stellte sich heraus, daß im Schnitt doppelt so viele Personen in klimatisierten Bereichen unter Neigung zu Erkältungen, trockenen Schleimhäuten, rheumatischen Beschwerden, Energielosigkeit und Benommenheit leiden wie in konventionell belüfteten und beheizten. Auch die Beschwerden über Kopfschmerzen, rasche Ermüdung und Reizbarkeit sind in diesen Gebäuden auffällig erhöht. Nach Schätzungen Krölings leiden 500 000 Menschen in der Bundesrepublik an Beschwerden, die sie ohne Klimaanlage nicht hätten.

Als beeinträchtigende Faktoren gaben die Befragten in klimatisierten Räumen signifikant häufiger die fehlende Fensterlüftung, Zugerscheinungen, Lufttrockenheit, zu wechselhafte Temperaturen und verbrauchte Luft an.

Parallel dazu führten Mitarbeiter Krölings vergleichende Untersuchungen an Gebäuden mit und ohne Klimaanlagen durch; jeweils zum gleichen Zeitpunkt und bei Arbeitenden mit vergleichbarem Tätigkeitsbild. Objekte waren zwei Berliner Bezirksämter, eines klimatisiert, das andere konventionell beheizt, drei Berliner und drei Münchner Schulen und das Landratsamt in Heidelberg, das im Altbau eine Klimaanlage enthält und – tempora mutantur – im Neubau nicht. Die Beschäftigten beziehungsweise die Schüler erhielten einen leicht modifizierten Fragebogen (auch er ließ die Absicht der Untersuchung nicht erkennen); zusätzlich wurden die technisch-physikalischen Randbedingungen (Luftgeschwindigkeit, Geräuschpegel, Temperatur, Luftfeuchte, CO2 ) zum Zeitpunkt des Betragens protokolliert.