Ein westfälischer Tüftler macht Millionen mit Geldautomaten

Von Roland Stimpel

Als Spielhöllenbesitzer zum Millionär werden, das kann nach Meinung braver Bürger nur ein Unterweltboß. Aber mit Mackie Messer hat Paul Gauselmann aus Espelkamp in Westfalen nichts gemein. Seine Drei-Groschen-Oper spielt in hell erleuchteten Spielhallen und biederen deutschen Gaststätten. Dort hängen 160 000 Automaten für das Glücksspiel um 30 Pfennige an den Wänden.

Wer an ihnen sein Kleingeld riskiert, verliert nach den Regeln der Statistik. Gauselmann dagegen ist der größte Gewinner. Von den 1,1 Milliarden Mark, die Deutschlands Glücksritter jährlich verzocken, verschwindet ein immer größerer Teil in seinen Münzschlitzen.

Daß er am Spiel mit dem phantasielosen Knöpfedrücken am besten verdient, verdankt er vor allem seiner eigenen Phantasie. Wer auf dem Automatenmarkt Erfolg haben will, muß immer neue Tricks austüfteln, um die Spieler an der Scheibe zu halten. In solchem Tüfteln ist Gauselmann ganz groß.

Der gelernte Fernmelderevisor begann als 22jähriger mit einer Art Musiktelephon. Auf Kneipentischen installierte er Wählscheiben, die mit der Musikbox verbunden waren und auf denen die Gäste den gewünschten Schlager herbeikurbeln konnten. Das Publikum der fünfziger Jahre drehte mit Vergnügen, Gauselmann verließ nach diesem ersten Erfolg die Post und stieg ins Automatengeschäft ein.

Roboter produzieren Automaten