Wer als Tourist sein Charterflugzeug verpaßt, hat damit in aller Regel sein Recht auf Beförderung verwirkt, mit seinem unbenutzten Ticket nur noch ein Stück wertloses Paper in der Hand. Linienflugtickets können dagegen jederzeit umgebucht oder storniert werden. Nichtbenutzte Linienflugscheine werden auf Wunsch bar erstattet. Zusätzliche Gebühren werden deswegen keine erhoben.

Diese verbraucherfreundliche Regelung ist allerdings für die Fluggesellschaften längst zum großen Problem geworden. Wer vor Abflug seine Reisepläne ändert und die Airline informiert, verursacht ihr damit zwar mehr Arbeit und Kosten, aber so etwas ist kalkulierbar, läßt sich über den Flugpreis auf die Konsumenten umlegen. Die sogenannten no shows aber – die Passagiere, die trotz Buchung ohne Ankündigung dem Abflug fernbleiben – machen nicht nur mehr Arbeit, sondern bereiten den Fluggesellschaften zusätzlich noch jede Menge anderer Schwierigkeiten.

Die "Association of European Airlines" (AEA), ein Zusammenschluß der 20 wichtigsten westeuropäischen Fluggesellschaften, hat ermittelt, daß es in vergangenen Jahr in ihrem Bereich mindestens 900 000 dieser no shows gegeben hat. Die dadurch entstandenen Kosten schätzt die Organisation auf etwa 200 Millionen US-Dollar. Einzelne Fluggesellschaften, wie etwa die Lufthansa, halten diese Zahlen sogar für viel zu niedrig angesetzt.

Natürlich haben die Fluggesellschaften längst erforscht, warum immer mehr no shows auf den Plan treten. Da gibt es beispielsweise die "weitsichtigen" Geschäftsreisenden, die mehrere Flüge auf einmal reservieren, um sich dann den günstigsten Termin auszusuchen. Es gibt die Reisenden, die umdisponieren müssen und die dann ganz einfach "vergessen", ihre Fluggesellschaft zu informieren. Viele no shows werden aber auch durch die Airlines selbst verursacht, etwa wenn Passagiere Anschlußflüge verpassen oder der Buchungscomputer Kunden gleich mehrfach registriert hat.

Schon in der Vergangenheit hat es nicht an Versuchen gefehlt, die Problematik in den Griff zu bekommen. Mehrfach wurde bereits die Einführung von Strafgebühren diskutiert. Bisher sind solche Pläne nie verwirklicht worden, weil sich dabei nie alle Fluggesellschaften einig wurden. Also schützen sich alle Airlines durch Überbuchungen vor den von no shows verursachten leeren Plätzen. Bis etwa 30 Tage vor Abflug, das scheint eine gängige Regelung, werden die Linienflugzeuge bis zu 40 Prozent überbucht, danach nur noch bis zu zehn Prozent. Meistens geht diese Rechnung auf. Funktioniert der Trick allerdings nicht, bleiben gebuchte Passagiere auf dem Flughafen stehen. Wem es passiert, der kann dafür Schadenersatz verlangen. Bei den europäischen Fluggesellschaften steht in den Beförderungsbedingungen, daß jedem gebuchten Passagier, der nicht spätestens vier Stunden (auf Interkontinentalflügen sechs Stunden) nach der ursprünglich vorgesehenen Ankunftszeit an seinen Zielort transportiert werden kann, die Hälfte des Flugpreises zu erstatten ist. Für amerikanische Fluggesellschaften gelten noch wesentlich höhere Summen. Die wenigsten Passagiere wissen dies allerdings und lassen sich daher mit viel geringeren Beträgen abspeisen.

Nun wollen die europäischen Fluggesellschaften eine neue Kampagne starten, mit dem Ziel, die Anzahl der no shows zu reduzieren. Aufkleber auf Flugtickets oder Informationsblätter in den Verkaufsstellen sollen die Probleme aufzeigen und speziell die vielfliegenden Geschäftsreisenden animieren, ihre Flugzeiten einzuhalten beziehungsweise ihre Flüge rechtzeitig zu annullieren. Wenn auch das nicht fruchtet, sind bei der AEA weitere Maßnahmen im Gespräch, als erstes die Wiedereinführung der früher praktizierten telephonischen Rückbestätigung. Dabei mußte früher grundsätzlich jeder Fluggast kurz vor Abflug seinen Reisetermin noch einmal bestätigen, ansonsten wurde er von der Buchungsliste gestrichen.

Willi Bremkes