Hervorragend

Giora Feldman: "Viva el Klezmer". Man hört einen Klarinettisten, wie man einen so noch niemals hat spielen hören – so virtuos, ach: so sanft, so geräuschlos, so, als flössen die Töne aus der Lunge über die Lippen durch das Rohr und schlüpften rund und weich aus dem Trichter. Wenn man den 1936 in Argentinien geborenen, in Polen ausgebildeten, mit 21 Jahren in das Israelische Philharmonische Orchester berufenen Giora Feidman hört, versteht man auch, daß er nicht nur der "israelische Wunder-Klarinettist" genannt wird, sondern auch der "König des Klezmers". Der hebräische Ursprung dieses Begriffes meint einen Volksmusiker, der "mit seinem Instrument sein Empfinden und Denken, seine Eindrücke und Bilder unmittelbar in Klang ausdrückt". Feidman spielt Volkslieder, traditionelle Weisen und neue Kompositionen: Tanzmusik. Man schmilzt dahin – aber es ist keinen Augenblick sentimental, und was nach Gekicher klingt, ist kunstvoll in Musik verwandelter Humor. Achtzehn Jahre lang war Feidman Symphoniker; dann fand er, es sei genug. Er ging auf die Walze und tritt seitdem in der ganzen Welt auf – zuletzt im Musical "Ghetto" in Berlin, in Hamburg, nun auf dieser enthusiasmierenden Schallplatte, die neben Feidman noch eine ganze Anzahl nicht weniger feinsinniger Musiker hat. Am 25. November geht der Klarinettist auf eine fünf Wochen lange Tournee durch die Bundesrepublik. (Verlag "plane", 88458 G).

Manfred Sack