Finanzminister Silva Herzog muß als erster testen, was der Baker-Plan wert ist

Der Plan des amerikanischen Finanzministers James Baker zur weiteren Behandlung der internationalen Schuldenkrise muß noch in diesem Jahr seine Bewährungsprobe bestehen. Mexiko, dessen Zahlungsunfähigkeit im Herbst 1982 die Schuldenkrise auslöste, wird jetzt auch das erste Land sein, in dem sich erweisen wird, was die Baker-Vorschläge von Seoul wirklich wert sind.

Baker hatte auf der Jahrestagung von Währungsfonds und Weltbank in Südkorea der von ihm vorgeschlagenen Kombination von Maßnahmen in den Schuldnerländern, einer stärkeren Einschaltung der Weltbank und neuer Kredite der Geschäftsbanken den anspruchsvollen Titel "Programm für dauerhaftes Wachstum" gegeben. Die Schuldnerländer sollten sich zu einer marktwirtschaftlich orientierten Wirtschafts- und Strukturpolitik verpflichten. Die Weltbank soll mehr Programmkredite als bisher geben, die sie, wie schon in der Vergangenheit, mit wirtschaftspolitischen Auflagen verknüpft. Die privaten Banken sollen ermuntert werden, mehr Kredite zu geben.

Mexiko, mit 97 Milliarden Dollar Auslandsschulden der Welt zweitgrößter Schuldner direkt hinter Brasilien, wird als erstes Schuldnerland testen können, ob die Rechnung Bakers aufgeht: ob Auflagen der Weltbank private Bankkredite hervorlocken. Der mexikanische Finanzminister Silva Herzog hat schon in Seoul als unmittelbar Betroffener leichte Kritik an den amerikanischen Vorstellungen verlauten lassen. Es werde schwierig sein, ein solches Maßnahmenbündel in der Praxis unter Dach und Fach zu bringen, meinte er.

Ihm mißfiel an Bakers Vorschlägen, daß die Amerikaner mit der Betonung des Wachstums den falschen Eindruck erweckten, als gebe es in den Schuldnerländern einen leichten Weg zur Beherrschung der Schuldenkrise. Silva, ein Mann, der nicht nur die theoretischen Aspekte der Schuldenkrise, sondern auch ihre schreckliche Wirklichkeit kennt, beschwor seine Kollegen aus den Industrieländern, noch mehr auf die Notwendigkeit der Anpassung hinzuweisen, statt Wachstumsillusionen vorzugaukeln. Dem Finanzminister eines hoch verschuldeten Landes sei mehr geholfen, sagte er, wenn die Kreditgeber in der Bevölkerung des Schuldnerlandes keine Illusionen nähren, sondern klar sagen, daß es ohne Kampf gegen Mißwirtschaft und Korruption nicht geht.

Das sind mutige Worte eines Mannes, der seinem leidgeprüften Volk gegenwärtig nichts als bittere Wahrheiten zu bieten hat. Silva hat den Rechenstift zur Hand genommen und den Finanzbedarf Mexikos für die nächste Zeit kalkuliert. Mehr als eine überschlägliche Rechnung kann es nicht sein.

Die mexikanische Regierung hat inzwischen zum Währungsfonds, zur Weltbank und zu den privaten Gläubigerbanken Verbindung aufgenommen, um ein neues Paket zu schnüren. Zur Zeit rechnet die Regierung mit einem Finanzbedarf von sieben bis acht Milliarden Dollar. Drei bis vier Milliarden Dollar werden die privaten Banken aufzubringen haben (davon etwa zehn Prozent die deutschen), zwei bis zweieinhalb Milliarden die Weltbank und der Rest soll vom Internationalen Währungsfonds kommen. Silva denkt daran, mit dem Währungsfonds ein neues Beistands-Kredit-Abkommen abzuschließen, das über fünfzehn Monate laufen soll.