In England ging der Reigen der Parteitage mit dem Treffen der Konservativen zu Ende. Margaret Thatcher machte deutlich, daß sie an ihrer Politik festhalten will.

Die Delegierten zollten der Regierungschefin acht Minuten lang Beifall. Mit dieser Huldigung für Margaret Thatcher wollte das Parteivolk zum Ende des Parteitages von Blackpool vor allem sich selbst noch einmal Mut machen – denn Anlaß zum Jubeln gibt es nach den jüngsten, für die Tories miserablen Meinungsumfragen nicht. Zu ihrem 60. Geburtstag ist die Premierministerin auf dem Tiefstand ihrer Beliebtheit angelangt: Nur noch knapp ein Drittel der Wähler würden den Konservativen heute ihre Stimme geben.

Auf ihrem Parteitag aber durfte Margaret Thatcher triumphieren. Seit zehn Jahren ist sie Parteichefin, und "zehn Jahre mehr" forderten die Sprechchöre von den Rängen. Die Regierungschefin machte klar, daß sie überhaupt nicht an Rückzug oder an Kursänderung denkt: "The Lady is not for turning" ("Die Lady hat keine Wende im Sinn"). Immerhin war sie darauf bedacht, die Leidtragenden ihrer rigiden Wirtschaftspolitik anzusprechen: "Kein Problem beschäftigt mich und meine Kabinettskollegen heute mehr ab die Nöte der Arbeitslosen", versicherte sie in ungewohnt sanftem Ton. Wohl wisse sie, dat die Arbeitslosigkeit vielen Briten "Kummer und Frustration" bereite, doch für staatliche Konjunktur- und Investitionsprogramme sei kein Anlaß: "Es gibt keine sichere Zukunft auf unehrlichem Geld." Die gewohnte Härte klang an, als Margaret Thatcher auf die jüngsten Straßenkrawalle in London und Birmingham einging. Dort tobe sich nur reine "Zerstörungswut" aus; das habe mit sozialer Not nichts zu tun. Die Konservative Partei habe nun die "einzigartige Verantwortung", die Herrschaft des Gesetzes zu sichern. Unter großem Beifall versprach sie der Polizei jede Unterstützung.

Ausgiebig widmete sich die Premierministerin auch der wiedererstarkten Labour Party. Die sei, so befand sie, in den Händen der militanten Linken. Zur mehr als lästigen Konkurrenz ist auch die Allianz aus Liberalen und Sozialdemokraten geworden; sie kommt bei den Meinungsumfragen aus Sicht der Tories beängstigend gut weg. Der Parteitag von Blackpool verlief ansonsten ohne große Kontroversen. Schatzkanzler Nigel Lawson und der neue Arbeitsminister Lord Young wiesen, ähnlich wie die Regierungschefin, staatliche Ausgaben zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wahlweise als "Ideen aus dem Labour-Lager", "reine Illusion" und "Sirenengesänge" zurück. Die Thatcher-kritischen Reformer der Partei, für die Energieminister Peter Walker steht, verhielten sich diszipliniert. Walker blieben kritische Untertöne vorbehalten: "13 Prozent Arbeitslosigkeit wird der Wähler, auch der bessersituierte, den Konservativen nicht durchgehen lassen." Viele Leute, sagte Walker, hätten das Gefühl, die Regierung habe sich verrannt. Ihm widersprach Norman Tebbit, der neueste Gefolgsmann Margaret Thatchers, bis vor kurzem Arbeitsminister, in seiner ersten Rede als Parteipräsident: Es sei keine Zeit für Selbstkritik. Die rechte Botschaft müsse einfach an die Wähler besser als bisher verkauft werden.

Bettina Schütte