Von Hermann Bößenecker

Er hat "den Finger nicht hochgehoben", sich nicht nach dem plötzlich so begehrten Job gedrängt. Aber die unternehmerische Aufgabe, die nun auf Burkhard Wollschläger zukommt, reizt ihn ungemein. Wenn ihn der Aufsichtsrat der Industriewerke Karlsruhe-Augsburg AG (IWKA), deren Vorstand er seit 1978 angehört, vorzeitig ziehen läßt, wechselt der Einundfünfzigjährige schon im Januar auf den Chefstuhl der Münchner Krauss-Maffei AG. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat ihn vor vier Wochen einstimmig zum neuen Vorstandsvorsitzenden gekürt.

Eine ganze Reihe angesehener Manager hatte sich für den vakanten Posten; erwärmt. Denn obwohl die Münchner Panzerschmiede wegen des Gerangeis um die Änderung der Besitzverhältnisse unter dem wachsamen Auge der Kartellwächter fast eineinhalb Jahre lang immer wieder Schlagzeilen machte, hat die daraus resultierende Negativ-Publicity dem Image der Firma nicht geschadet.

Wollschläger räumt heute ein, daß er im benachbarten Augsburg schon in einem recht frühen Stadium "angefrozzelt" worden sei, ob er nicht ein Auge auf Krauss-Maffei geworfen habe. Aber er hat sich schon deshalb bedeckt gehalten, weil damals, vor etwa einem Jahr, neben der Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) auch die IWKA um einen Einstieg bei Krauss-Maffei bemüht war und damit beim Kartellamt auf viel größere Gegenliebe als MBB stieß.

Zurückhaltung war für Wollschläger auch deshalb geboten, weil sich pikanterweise sein eigener Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Wolf, im Hauptberuf (noch bis Ende 1985) Chef der Contigas Deutsche Energie AG in Düsseldorf, früher selbst einmal Krauss-Maffei-Vorstandsvorsitzender, anscheinend allen Ernstes Hoffnungen auf eine Rückkehr nach München-Allach gemacht hatte.

Offiziell wurde Wollschläger erst vor wenigen Monaten vom designierten und inzwischen gewählten Krauss-Maffei-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Laaf angesprochen. Die Neuordnung der Besitzverhältnisse war im Sommer perfekt geworden: Flick verkaufte den größten Teil seines Krauss-Maffei-Besitzes von rund 96 Prozent an ein Industrier und Bankenkonsortium (MBB, Diehl, Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung, Deutsche Bank, Dresdner Bank und Bayerische Vereinsbank) und blieb nur noch mit 15 Prozent mit von der Partie. Ein weiterer industrieller Partner wird gesucht; Dresdner Bank und Vereinsbank würden dann ihre jeweils zehn Prozent wieder abgeben.

Wenn Wollschläger gegen sehr achtbare Konkurrenz das Rennen machte, so gewiß vor allem wegen der überzeugenden Leistung, die er in wenigen Jahren bei der IWKA vollbracht hat. Er war in der schwierigsten Phase des Unternehmens, das damals noch zum Interessenbereich des Großindustriellen Herbert Quandt gehörte, eingetreten.