Päpsen

Auf den ersten Blick ist nichts Aufregendes zu entdecken. Päpsen im niedersächsischen Landkreis Diepholz bei Bremen ist eine ländliche Idylle. Hohe Eichen und Linden führen zu den Höfen, die weit auseinander liegen. Wie ein Ring liegt das Weideland um das 120-Einwohner-Dorf.

Wo Bauer Böse wohnt? Das wissen hier alle. "Gleich neben dem Windrad auf der Wiese am Ortsausgang", lautet die Antwort. Die Päpsener haben sich daran gewöhnt, daß ihr Hofnachbar vor allem bei den jungen Leuten aus der Stadt ein gefragter Mann ist. Aber seitdem immer häufiger die grauen Busse des Zolls den Weg zu seinem Hof suchen, weiß man im Dorf, daß der Nachbar nicht nur Freunde, sondern auch Ärger hat.

Friedrich Böse, 55jähriger Landwirt und Hobby-Erfinder, hat herausgefunden, daß sich ein Trecker auch mit Biogas fahren läßt. Damit hat er die Aufmerksamkeit des Osnabrücker Hauptzollamtes auf sich gezogen: Wenn Friedrich Böse ein Fahrzeug mit Biogas zum Laufen bringt, finden die Zöllner, muß er es als Treibstoff auch versteuern.

Da schaltet Bauer Böse auf stur: "Ich zahle doch nicht für meinen eigenen Kuhmist Steuern!"

Sein Erfindungsgeist hat dem 55jährigen schon des öfteren Ärger mit Behörden eingebracht. "Die haben so einen Tüftler wie mich nicht gern", weiß er. 1976 baute er mit seinen beiden Söhnen – um Heizkosten zu sparen – eine Solaranlage. Ohne Zeichnungen und Berechnungen schraubte die Böse-Familie schwarz angestrichene Flachheizkörper aus einer ausgedienten Zentralheizung zu einer 34 Quadratmeter großen Anlage zusammen und setzte sie aufs Dach. Bei Sonnenschein erreicht sie eine Leistung von bis zu 30 Kilowatt pro Stunde – Warmwasser für den Hof.

"Weil hier meist ein scharfer Wind weht, sind wir dann auf die Idee mit dem Windrad gekommen", berichtet Böse. Neben seinem Hof dreht sich ein zwölf Meter hoher Rotor mit vier Flügeln – sämtliche Teile für das Kleinkraftwerk stammen vom Schrottplatz. Konstrukteur: Friedrich Böse, Kosten: knapp 5000 Mark, Stromersparnis pro Jahr: 1500 Mark.