Von Heinz Michaels

Einst hieß es: Dein guter Stern auf allen Straßen. Künftig wird das dreizackige Symbol für die besten Autos im Weltraum ebenso präsent sein wie auf den Luft- und Schiffahrtsstraßen der Welt. Aus Deutschlands zweitgrößtem Automobilproduzenten wird der größte, weitgefächerte deutsche Technologiekonzern – wenn das Bundeskartellamt es zuläßt, daß die Daimler-Benz AG die Mehrheit an dem Elektrokonzern AEG übernimmt.

Es sind zwei Hundertjährige, die am Montag ihre Verlobung bekanntgegeben und das Aufgebot bestellt haben. Rechtzeitig zum hundertsten Geburtstag im nächsten Jahr hat der Daimler-Vorstand in diesem Jahr – dem wahrscheinlich besten Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte – mit drei spektakulären Aufkäufen die weichen für die Unternehmensstrategie über das Jahr 2000 hinaus gestellt.

Im Hochhaus in Stuttgart-Untertürkheim, wo sich die Schaltzentrale des Automobilkonzerns befindet, erwartet man für dieses Jahr einen Produktionsrekord von 540 000 Personenwagen mit dem Mercedes-Stern. Und da diese ausschließlich in den oberen Preisklassen rangieren, ist die Kasse gut gefüllt. In den ersten acht Monaten stieg der Umsatz um satte 26 Prozent.

Doch schon im Sommer warnte Finanzchef Edzard Reuter, der Sohn des früheren Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter, vor jedweder Selbstgefälligkeit. Es zähle zur hohen Schule der Unternehmensführung, einen "Strukturwandel rechtzeitig, zu scheinbar sorglosen Zeiten" einzuleiten, dozierte er. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Werner Niefer (Produktion) hatte Reuter zu diesem Zeitpunkt auch schon die ersten Schritte auf dem Wege in eine neue Unternehmenszukunft getan.

Anfang des Jahres packte das Duo die Gelegenheit beim Schopf und kaufte der Gutehoffnungshütte (GHH) fünfzig Prozent der Anteile an der MTU – Motoren- und Turbinen-Union (München/Friedrichshafen) für etwa siebenhundert Millionen Mark ab – zu teuer, wie Fachleute der Luft- und Raumfahrtindustrie meinen. Für Reuter war dies allerdings kein Problem, hatte er doch rund neun Milliarden Mark in der Kasse. GHH-Chef Klaus Götte trennte sich zwar ungern von seinem MTU-Anteil, doch er brauchte das Geld, um die marode MAN-Lastwagenfabrik zu sanieren, die zu seinem Konzern gehört.

Mit der Einverleibung von MTU trat Daimler bereits in den Kreis der High-Tech-Unternehmen, den Unternehmen der modernen Spitzentechnik. Die Stuttgarter sind damit am Bau der Triebwerke für das Tornado-Kampfflugzeug und für die Airbus-Passagierflugzeuge beteiligt, an der Produktion der Motoren für den Kampfpanzer Leopard und von Dieseltriebwerken für Hochleistungsjachten und Schnellboote.