Luxus ist – zumindest in der Hotellerie hierzulande – eine fein abgestimmte Mischung aus größtmöglicher Fürsorge und kalkulatorisch gerade noch vertretbarem Aufwand. Auf diesem schmalen Grat wandeln Deutschlands ranghöchste Herbergsväter vorsichtig einher, abwägend, ob der Gast in seinem teuren Mietraum eine echte Seidentapete brauche oder ob es die billigere, pflegeleichte Kunstfasertapete auch tue. Oder ob sich der zusätzliche Frühstückskellner lohne, damit dem Gast das Morgenmahl ohne Verzögerung gereicht werde. Große und wichtige Fragen, ohne Zweifel. Doch darüber gehen bisweilen die kleinen, netten Gesten verloren, Zeichen der Gastlichkeit, die von den Wirten kaum Geld, aber die Investition von Phantasie erfordern. Ein Beispiel aus einem der besten deutschen Häuser, aus "Brenner’s Park-Hotel" in Baden-Baden: Wenn der Portier dem abreisenden Gast das Auto vor das Portal fährt, hängt am Armaturenbrett eine kleine Plastiktüte für Abfälle, beschriftet mit einem Abschiedsgruß des Hotels. Ein Pfennigartikel, der gewiß reiche Zinsen trägt.

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Die Autobauer von Daimler müssen fast überfüttert sein mit Komplimenten. Nur einmal blieb den Schwaben diese gewohnte Kost fast im Halse stecken – als nämlich ihr "Baby-Benz" Mercedes 190 anfangs nur zögernd Käufer fand im eigenen Land. Die Untertürkheimer reagierten rasch, auf dem Höhepunkt der Umweltschutzdebatte gesellten sie ihrem benzingetriebenen Nachwuchs ein Dieselmodell hinzu. Fortan reüssierte der "kleine" Stuttgarter – nicht nur des Dieselantriebs wegen. Aber dieses Selbstzündeaggregat hat seither unangenehme Zeiten für Geschäftsreisende geschaffen. Nun griffen nämlich die Taxifahrer zu. Als Taxi ist der kleine Mercedes, laut Branchenspott "ein feiner Zweisitzer", eine Zumutung: Im Fond ist es so eng, daß man schon fast von einem "Fond perdu" reden kann. Nun hat sich obendrein noch BMW mit seinem "Dreier", auch solch ein notorisch enger Hinterbänkler, ins Dieselgeschäft gestürzt, und zumindest im bayerischen Lebensraum drohen nun wohl die weiß-blauen Mini-Taxen. Es wird Zeit für einen Kleinwagentarif auf den Taxi-Uhren.

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Sie strotzen vor gutem Willen, die neu und elegant eingekleideten Zugbegleiter auf den Intercity-Strecken. So rief auf dem Hamburger Hauptbahnhof der junge Beamte einer Frau zu, die mit schwerem Koffer der nächstgelegenen Zugtür zuschwankte: "Kommen Sie doch rüber zu diesem Waggon, ich trag Ihnen dann den Koffer ins Abteil!"

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Nun zieht selbst in den Spesenhochburgen das Gewöhnliche ein. Wer früher beim "Käfer" in München nach gutem Mahl und guter bayerischer Sitte einen Zahnstocher erbat, dem wurde – so schwören Stammgäste – statt dessen diskret bedeutet: "Wir können Ihnen die Adresse eines guten Zahnarztes geben." Vielleicht hat der Vertrauensdentist des Gastronomen den Bohrer beiseite gelegt – neuerdings gibt’s käfereigene Zahnstocher. Natürlich nur auf Anfrage.