Starke Männer sind in Portugal so Seiten, daß sie einfach Karriere machen müssen, und wer Karriere machen will, muß stark sein oder sich so gerieren.

Ob er hart ist oder nur so tut, weiß von Anibal Cavaco Silva, dem Sieger der portugiesischen Parlamentswahlen und künftigen Regierungschef, niemand recht zu sagen – daß er es sein möchte, steht außer Frage.

"(H)Anibal ante portas" ist ein beliebter Spott. Aber der vergleichsweise junge Finanzwissenschaftler, Jahrgang 1939, gehört nicht zu den Verlierern. Im Gegenteil, er verkörpert fast perfekt jene aufstiegshungrige Mittelklasse mit ihrer noch ungläubig vernommenen Botschaft: Jeder kann es schaffen, mit Arbeit, Fleiß und Energie.

Cavaco Silva kommt aus kleinen Verhältnissen: Sohn eines Tankstellenbesitzers aus der Algarve; Studium der Finanzwissenschaften in Lissabon; mit Hilfe eines Stipendiums Promotion an der englischen Universität York, kein Rebell gegen das Salazar-Regime, aber auch kein Freund seines Klassensystems. Als er aus England nach der Nelken-Revolution von 1974 heimkehrte, schloß er sich der Sozialdemokratischen Partei an, die bis heute ihre linken und rechten Flügel nicht integrieren konnte und sich nur einig weiß gegen die Sozialisten.

Als Finanzminister hat Cavaco Silva Anfang des Jahrzehnts wenig glücklich amtiert. Die Schuldenlast, deren versuchte Reduzierung die Sozialisten mit einer Niederlage bezahlten, geht weithin auf sein Konto. So forsch er im Wahlkampf die Linken attackierte, so ungewiß ist, ob er seine Versprechen einhalten kann: eine offene marktwirtschaftliche Gesellschaft zu organisieren. Dazu fehlt ihm – bis jetzt – nicht nur die Mehrheit; dazu muß er erst beweisen, daß seine Ausdauer seinem Ehrgeiz entspricht. -bi