Die griechische Regierung hat die Drachme gegenüber allen anderen Währungen um 15 Prozent abgewertet. Der Export soll angeregt, der Import erschwert werden. Die Operation wird durch rigorose wirtschaftspolitische Maßnahmen abgesichert. Importeure müssen einen Teil des Kaufpreises im voraus auf ein Sperrkonto einzahlen, um die Einfuhrbewilligung zu erhalten (Bardepot). Die Importpreise werden kontrolliert. Die Kapitalverkehrsbeschränkungen sollen beibehalten werden. Der automatische Teuerungsausgleich der Arbeitnehmer wird drastisch reduziert. Die Regierung Papandreou hat, zunächst verbal, eine wirtschaftspolitische Kehrtwendung gemacht.

Die Drachme ist zwar ein Bestandteil des als ECU bekannten Währungscocktails. Aber sie hat sich nicht verpflichtet, den Leitkurs innerhalb der vereinbarten Bandbreite zu halten, ähnlich wie Großbritannien. Die Brüsseler Kommission wird aufpassen müssen, daß die Regierung nicht in den Schlendrian laxer Haushaltspolitik zurückfällt. Schließlich hat sich Athen auf Artikel 108 des Römischen Vertrages berufen. Danach kann ein Mitglied die Hilfe der Gemeinschaft in Anspruch nehmen, um seine Zahlungsbilanz in Ordnung zu bringen.

Ein anderer potentieller Krisenherd, der genaue Beobachtung verdient, ist Italien. Den europäischen Währungspolitikern ist nicht entgangen, daß bei den Interventionen gegen den Dollar seit dem 23. September die italienische Notenbank den größten europäischen Anteil beigesteuert hat, ebensoviel wie die Japaner. Der Grund war die Sorge, daß bei einem Sinken des Dollarkurses die Spannungen zwischen Mark und Lira im Europäischen Währungssystem so stark zunehmen könnten, daß die Lira nicht mehr ohne Abwertung über die Runden kommen kann. Italien hat nämlich seine letzte Lira-Abwertung auch mit einer strengeren Haushaltspolitik absichern wollen. Daraus ist aber nicht viel geworden. Daher bleibt die Lira labil. Wenn der Dollar stärker fallen, die Mark stärker steigen sollte, ist sie der nächste Abwertungskandidat. Die Risiken liegen zur Zeit im Süden. R. H.