Eine Agentur zeigt, wie man Bauern bei Städtern populär machen kann

Die Sitzung in Frankfurt war vertraulich. Sie galt einer strategischen Frage jener Chemiefirmen, die sich in der Fördergemeinschaft "Integrierter Pflanzenbau" vereint haben. Das Tagungsthema lautete: "Imagepflege". Seit Grün in der Bundesrepublik eine Sorte Rot darstellt, sieht es vor allem für die intensive Landwirtschaft und die an ihr verdienende Industrie in der Publicity immer schwärzer aus.

Das Bild, das sich die Verbraucher in der Stadt von den Erzeugern auf dem Land machen, bedarf der Aufhellung, – darüber sind sich Agrarpolitiker, Verbandsleute und Industrievertreter einig. Wie aber packt man das Problem der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit an? Die Antwort kam auf der Tagung in Frankfurt von einem Holländer: Frans Wilbers, Chef der gemeinnützigen Stiftung "Public Relations für Landwirtschaft und Gartenbau" in Haag.

Der Schönwettermacher von Hollands Grüner Front beschrieb den deutschen Agrarchemieleuten einen Idealzustand: Seine PR-Organisation tritt in der Öffentlichkeit nicht nur für die Lobby der Bauern und Gärtner ein, ihre Marktverbände und Genossenschaften, sondern auch für ihre Lieferanten aus der Industrie, die großen Abnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowie für Banken und Versicherungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Landfrauen und Landjugend.

Vierzig Förderer – von der Bauernkooperative "Cebeco", die eine Milliarde mehr umsetzt als die Fluggesellschaft KLM, bis zu Unilever oder der Raiffeisen-Boerenleenbank, Hollands zweitgrößtem Geldinstitut – zahlen dem PR-Mann Wilbers 2,2 Millionen Gulden im Jahr, damit er sich um die guten Beziehungen zwischen Land und Stadt kümmern kann. Dieser Betrag stellt den zwanzigtausendsten Teil vom Produktionswert der grünen Branche Hollands dar, einer Summe von 44 Milliarden Gulden im vorigen Jahr.

Die Stiftung hält sich an das holländische Sprichwort "Onbekend maakt onbemind". Danach hängt Sympathie davon ab, daß man eine Sache kennt. Die agrarische Volksaufklärung beginnt in den Grundschulen und reicht bis in die Lesemappe der Königin. Wilbers braucht hierfür nicht mehr als neun Mann Personal.

Elftausend Meinungsmacher erhalten allmonatlich das Intelligenzblatt der PR-Stiftung. Ihr Pressedienst erscheint in siebenhundert Zeitungen, die acht Millionen Leute erreichen. Sämtliche Schulen und Biologielehrer werden mit Lehrmitteln eingedeckt: mit Guckkästen, Bilderbogen und Material für Klassenprojekte. Tausende Klassen haben Bauernhöfe und Gärtnereien adoptiert, die sie in allen vier Jahreszeiten besuchen. Zehntausend Dia-Programme über das Leben auf dem Land sind in Umlauf. Ein "Grünes Telephon" unterrichtet Tag und Nacht über agrarische Neuigkeiten und wenn die holländischen Bauern die Städter auf ihre Höfe einladen, kommen eine halbe Million Leute am Tag.