Der elegante Herr in Grau läßt sich die Rechnung reichen. Aber anstatt nun souverän die Kreditkarte zu zücken und die Summe keines weiteren Blickes mehr zu würdigen, holt er die Brille heraus und macht sich ans Studium. Posten für Posten geht er alles durch. Dann legt sich ein "Hab'-ich-mir's-doch-gleich-gedacht"-Lächeln über seine Züge, er winkt den Ober heran und moniert: 14,50 Mark zuviel. Der Ober windet sich, gibt schließlich zu, daß da was nicht stimmen kann. Der elegante Herr in Grau hat seiner Firma 14,50 Mark gespart und ist wieder einmal nachdenklich geworden. Kann das alles Zufall sein?

Warum verrechnen sich die Kellner so häufig? Und warum immer zu ihren Gunsten? Gehen sie davon aus, daß die Spesenritter keine Rechnungen lesen? Meinen sie, daß die Dame, die im Restaurant bezahlt, zu vornehm oder zu schüchtern ist nachzurechnen?

Verrechnet. Ich rechne nach und rechne damit, daß jede zweite Rechnung nicht stimmt: Viermal Vorspeisen, es waren doch nur drei. – Nein, Sie hatten zweimal Spaghetti. – Das darf doch nicht Ihr Ernst sein. Die erste Portion war ungenießbar, die können Sie doch nicht in Rechnung stellen! – Aber nein, kommt der Patron besänftigend heran, da haben wir uns einfach geirrt. Das kann doch einmal vorkommen, bei so vielen Leuten (- höchstens zehn sind außer uns noch im Restaurant).

Natürlich kann das einmal vorkommen. Nur warum kömmt es so oft vor? Können die Ober nicht mehr zusammenzählen, oder wollen sie’s nicht mehr? Denken sie im stillen bei sich, wer sich’s leisten kann, in überteuren Restaurants kleine Portionen zu konsumieren, der kann sich’s auch leisten, ein bißchen beschummelt zu werden? Bei 300 Mark fallen doch 20 Mark weder auf noch ins Gewicht.

Bei einer Rechnung von 77 Mark aber für zwei Personen und eher einen Imbiß denn ein Mahl, da wird man auch nach einem Liter Wein noch stutzig. "Was bitte sind die 15 Mark hier oben?" Da lächelt der Kellner entwaffnend: "Oh, Entschuldigung, das war die Tischnummer." put