ZDF, Freitag, 11. Oktober: "Bücher und Autoren", Reportage der "Aspekte"-Redaktion von der Frankfurter Buchmesse ’85; ARD, Sonntag, 13. Oktober: "Frankfurter Buchmesse", ein aktueller Bericht der Redaktion von "Titel, Thesen, Temperamente".

Das weiß jeder, aber anläßlich der Buchmesse sollten wir uns noch einmal daran erinnern: "Die Hefe im Teig unseres Buchmarkts sind die Kleinverlage, auch wenn Siegfried Lenz nicht für sie schreibt. Ein Lenz ist eben ein Lenz." Natürlich ist auch er "nichts, was die Landschaft belebt". Aber dafür haben wir Irmtraud Morgner: "Eine Mischung aus Zeitgeist und Zeitlosigkeit", und darum geht es, solange Bücher "Denkanstöße" vermitteln sollen, "vom Gefühl bestimmt und vom Verstand formuliert". Apropos Verstand: Dieter Schwarzenau lud zum Buchmessen-Cocktail ins ZDF-Programm, eine "Aspekte" – Sondersendung. Es war die erste umfassende Selbstdarstellung des Waschzettel-Journalismus im deutschen Fernsehen.

Ein Cocktail sollte es sein, also wurde kräftig gemixt: ein Buch über den Großvater, eines über den Tod der Mutter und eines über die Großmutter. Auf Brecht folgte Bismarck. Schlechter Reporterstil und miserable Tonqualität ließen kaum einen der Befragten wirklich zu Wort kommen. Wichtig für einen Cocktail sei der Campari, er gebe die Farbe, sagte Caterina Valente, Autorin des Buches "Bonjour, Katrin". Ellen Kuzwayo aus Soweto wurde mit ihrem Buch "Call me a woman" nicht anders behandelt als die kaufmännischen Probleme des Verlagswesens oder Heinrich Bölls letzter Roman. Reinhart Hoffmeisters Liebeserklärung an Böll zwischen den Rolltreppen: "Wir, die ihn liebten, hatten uns einen stärkeren Abschied gewünscht."

Schon in T. S. Eliots Theaterstück "Cocktail party" gab es nichts als Zerwürfnisse und Verwirrungen. Die "Aspekte"-Party zeigte das tiefe Zerwürfnis zwischen dem Fernsehen, das seinen Zuschauern kaum noch Zeit zum Lesen läßt, und den Büchern. Cocktail mit Trauerrand: Lesungen, vom Messelärm erstickt, erschienen, von unempfindlichen Reportern präsentiert, nur noch wie ein albernes Pflichtpensum.

Rudolf Schock, der auch ein Buch geschrieben hat, sitzt im Fond einer Limousine und singt: "Ach, ich hab’ in meinem Herzen da drinnen." Eine Sondersendung des ARD-Kulturmagazins "Titel, Thesen, Temperamente" zeigte den Sänger auf der Fahrt zur Buchmesse.

Auf einer Art Fließband, das einem das Gehen erspart, fahren Besucher der Messe wie durch die Abflughalle des Frankfurter Flughafens, zwischen ihnen Pappfiguren, vermutlich Schiller, Goethe, Kleist: "Die Klassiker kommen."

Die Pressechefin der Bertelsmann-Verlagsgruppe betritt die Messe. Unübersehbar eine Dame mit Verkaufsabsichten. Sie bringt die Bücher an den Mann, im Augenblick den neuen Däniken – eine Szene wie aus "Dallas". Die Pressechefin: eine echte Ewing.