ZEIT: Ein Vorschlag der AOK geht dahin, die hausärztliche Praxis zu stützen, zum Beispiel durch eine bessere Honorierung. Damit soll verhindert werden, daß zuviel teure Spezialisten-Medizin verordnet wird. Was halten Sie von solchen Vorschlägen?

Adam-Schwaetzer: Die AOK-Vorschläge umreißen bereits die Verhandlungsposition in den nächsten Verhandlungsrunden der Krankenkassen-Selbstverwaltung. Das sind also keine Vorschläge, die den Gesetzgeber betreffen. Die Marschroute begrüßen wir natürlich sehr, weil auch wir der Meinung sind, daß möglichst viele Fragen der Kostendämpfung innerhalb der Selbstverwaltung geregelt werden sollten. Auch die Zielrichtung der Vorschläge, etwa mit der Stärkung des Hausarztes, wird von uns geteilt. Die flächendeckende ärztliche Versorgung ist sehr wichtig, und alles, was die persönlichen Verbindungen zwischen Arzt und Patient verbessert und was von der Apparatemedizin wegführt, kann nur positiv sein.

ZEIT: Nehmen Sie dafür auch in Kauf, daß andere Ärztegruppen, die Fachärzte etwa, die bisher im Vergleich zum Hausarzt überproportional verdient haben, Einbußen hinnehmen müssen?

Adam-Schwaetzer: Durch solche Honorarverhandlungen, wie sie von den Kassen vorgeschlagen werden, ergeben sich hinsichtlich der Verteilung des Honorarvolumens sicherlich auch Strukturverschiebungen. Das ist selbstverständlich und ist im übrigen an vielen Stellen früher auch gemacht worden. In einer ganzen Reihe von Verhandlungen sind ja schon Laborleistungen entweder pauschaliert oder geringer bewertet worden.

ZEIT: Aber es genügt offenbar nicht. Weiter Abstriche bei den technischen Leistungen sind wohl unabweisbar...

Adam-Schwaetzer: Ob das Abstriche werden, das ist eine Frage, die vor Ort bei den Verhandlungen entschieden werden muß. Unbestritten ist aber, daß bei der fortschreitenden medizinischen Wissenschaft und Technik immer wieder die Notwendigkeit einer Überprüfung der jeweiligen Leistungen nötig ist.

ZEIT: Der Bundesverband AOK will die Kosten für die ambulante Behandlung und für die Arzneimittel als eine Einheit budgetieren. Damit hätten die Ärzte es in der Hand, die Arzneikosten durch ihre Verordnungsverhalten zu senken, womit der Spielraum für die eigenen Leistungen auf Kosten der Arznei größer würde. Finden Sie das gut?