Der Daimler-Einstieg in die AEG hat dem deutschen Aktienmarkt weltweite Aufmerksamkeit verschafft. Es gab in dieser Woche nicht nur einen neuen Nachkriegsrekord in den Kursen, sondern auch in den Aktienumsätzen. Die Auftragsflut aus dem In- und Ausland war an manchen Tagen kaum noch zu bewältigen.

Kurssteigerungen von 40 bis 50 Mark täglich wie im Falle Daimler und Mercedes oder von 10 bis 20 Mark in den Standardaktien mit breitem Markt – sind das Warnzeichen? Deutet sich damit das Ende der nun schon über drei Jahre anhaltenden Aktienhausse an?

Noch werden solche Bedenken kurzerhand abgetan. Vielmehr wird behauptet, daß der deutsche Aktienmarkt – stärker in den internationalen Handel eingebunden als früher – mit solchen Schwankungen künftig leben muß. Daß sie auch nach unten ausschlagen können, erlebten die deutschen Börsianer am Donnerstag vergangener Woche, als die Ausländer sich massiv von ihren deutschen Papieren zu trennen suchten, die verängstigte inländische Kundschaft überstürzt Kursgewinne realisierte und der Börsenberufshandel seine überschüssigen Bestände reduzierte.

Aber schon 24 Stunden später war alles vergessen. Danach herrschte nur noch Reue darüber, den "schwachen Tag" nicht zum "Einsteigen" genutzt zu haben.

Die turbulenten Börsentage haben die kritische Situation am deutschen Rentenmarkt bisher nicht so recht ins Bewußtsein der Börsianer kommen lassen. Die Zinsen steigen wieder – und dies recht kräftig. Gleichzeitig sind die Hypothekenzinsen wieder in Bewegung gekommen.

Ausländer, die bisher deutsche öffentliche Anleihen in Milliardenbeträgen aufgenommen haben, liegen jetzt eher auf der Abgabenseite. Sie sehen das Ende der Zinssenkung in der Bundesrepublik für gekommen. K. W.