Man muß solche Bücher mit großer Vorsicht genießen, die uns die Welt nach dem Atomschlag schildern. Einerseits sind die Autoren natürlich alle besten Willens, wollen uns warnen, aufrütteln, etwas zu tun, bevor es zu spät ist. Andererseits macht uns aber, genauso natürlich, jedes derartige Buch, ob nun sachlich-politisch oder erzählerisch-belletristisch, vertrauter mit dem Schicksal, zu dem wir erst gar kein Vertrauen fassen dürfen, macht das Unbeschreibliche beschreibbar, läßt uns das Undenkbare denken. Das ist gefährlich. Das stumpft uns alle ab. Eines Tages warten wir dann vielleicht wirklich darauf, daß endlich der große Schlag komme, der uns erlöse von allem Übel dieser Welt, der uns befreie von der dauernden Angst, irgendwann geschlagen zu werden.

Dieses Grunddilemma prägt auch das Buch von Whitley Strieber/James Kunetka: "Warday – Kriegstage und die Reise danach", Roman, aus dem Amerikanischen von Clara Burkhard; Piper Verlag München, 1984; 400 S., 36,– DM.

Mit dem Dilemma kann ein Autor auch gar nicht fertig werden, das müssen wir Leser schon selber besorgen. Je besser ein Buch übers Leben nach dem Atomknall ist, desto schwerer wird uns das gemacht.

"Warday" ist in diesem Sinne ein sehr gutes – spannend wie ein Krimi, informativ wie ein sauber recherchierter Artikel, bewegend wie eine Totenklage.

Zwei amerikanische Journalisten machen sich auf den Weg, das zu besuchen und zu untersuchen, was von ihren geliebten, einstmals so herrlichen USA übriggeblieben ist, nachdem die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion eines späten Nachmittags einen kleinen atomaren Schlagabtausch veranstalteten. Das war wirklich nur ein kleines Match, keineswegs der ganz große Knall, eigentlich mehr ein Betriebsunfall, bei dem die Herrschenden in Washington und Moskau für einige Momente den Überblick verloren und dann, als eine Verbindung zwischen den beiden Führern der Weltmächte wegen technischen Versagens nicht mehr zustande kam, mal eben auf ihre Knöpfchen drückten.

Was aus dem Arbeiter-und-Bauern-Staat dabei wurde, wird nur am Rande erwähnt. Politisch bricht er auseinander, nachdem die US-Raketen an einigen strategischen Orten ihr Werk verrichteten; einige Ländereien werden von früheren Satellitenstaaten zurückerobert.

Westeuropas Nationen, die devoten NATO-Verbündeten, hatten schon Jahre vor dem verhängnisvollen Tag einen Geheimpakt abgeschlossen, mit dem sie sich elegant draußen hielten. Sie signalisierten den Kreml-Militärs rechtzeitig, daß von ihnen keine atomare Gefahr drohe, besetzten dann die amerikanischen Stützpunkte in Europa und verhinderten so den Einsatz jener Raketen, die Anfang der achtziger Jahre für Angst und Schrecken gesorgt hatten.