ROLFHOCHHUTH:

Ein Pamphlet

"...daß aus Bonn, Frankfurt, München (Akademie der Künste!) und aus seiner Vaterstadt Lübeck nicht ein Wort kam, ist miserabel."

Thomas Mann am 21. 3. 1950 über den Tod Heinrich Manns.

Festspielzeit rief in Erinnerung, daß einmal aus Bonn, seit der Abfahrt von Präsident Heuss in die Pension – das ist fast dreißig Jahre her –, eine kulturelle Anregung kam: Präsident Scheel hatte die so vernünftige wie menschenfreundliche, sogar kaufmännisch lohnende Idee, "Festspiele am Rhein" zu gründen! Doch Scheel hatte noch nicht ausgeredet, da redete der Finanzminister – damals ein Sozialdemokrat, aber das macht keinen Unterschied: gegen Kultur halten sie allemal zusammen –, die Idee auch schon tot: kein Geld! Das war eine finanziell dumme Bemerkung. Denn in Österreich, wo Politiker der Kultur Aufmerksamkeit zukommen lassen, verdient der Staat an seinen Festspielen, wie er denn auch weiß, daß Wien deshalb zur meistbesuchten Touristenstadt neben Venedig und Paris wurde, weil dort siebenundzwanzig Sprechtheater sind, von den Musikhäusern gar nicht zu reden.

Österreich gab kürzlich bekannt, am 16. August: "Die Salzburger Festspiele bekamen 1984 zehn Millionen Mark Zuschuß, führten aber über zwölf Millionen Mark Steuern ab ... Der Umsatz der Salzburger Wirtschaft, der direkt auf die Festspielgäste zurückzuführen ist; hat 1984 rund 54 Millionen Mark betragen, gegenüber 32 Millionen Mark im Jahr 1978." Als neulich Meersburg in einer ausgedienten Textilfabrik Sommerfestspiele gründete, da mußten in jeder Vorstellung von Beaumarchais’ "Hochzeit des Figaro" und Walsers "Fliehendes Pferd" zahllose Leute sich mit Stehplätzen begnügen – weil alle Sitzplätze ausverkauft waren: Die Leute kämen schon – käme Theater in Touristenzentren! Auch in Bonn; ein Ministerialrat schrieb mir die Zahlen: "Im Jahre 1983 haben insgesamt 250 000 Personen das Regierungszentrum im Rahmen des Bildungstourismus besucht. den, haben etwa 160 000 Personen teilgenommen."

Bonn wird spurlos verschwinden