ZEIT: Herr Senator, Sie haben sich darüber beklagt, daß die Berliner Autofahrer zuviel für das Benzin bezahlen müssen. Können Sie Zahlen nennen?

Pieroth: In Berlin waren die Benzinpreise zeitweise acht Pfennig höher als in Westdeutschland. Selbst wenn ich zusätzliche Frachtkosten für den Transport des Benzins nach Berlin und zusätzliche Kosten für die Lagerung abziehe, bleibt ein Mehrpreis von fünf Pfennig.

ZEIT: Die Mineralölfirma Esso bestreitet, daß die Preisdifferenz so groß ist, wie Sie vorgerechnet haben. Esso sagt, daß Benzin und Diesel in Berlin im Durchschnitt nur drei Pfennig teurer sind als im Bundesgebiet. Dieser Abstand entspricht genau den von Ihnen genannten Mehrkosten für Transport und Lagerung. Hat es nach Ihrer Beobachtung größere Preisabstände über längere Zeit gegeben?

Pieroth: Ja, das war nicht nur eine kurzfristige Erscheinung. Natürlich gibt es auch in Westdeutschland Preisunterschiede von Region zu Region. Das heißt ja nur, daß der Wettbewerb unterschiedlich intensiv ist und daß die Ölgesellschaften an einem Platz mehr verlangen können als an einem anderen. In Braunschweig, vor der Haustür Berlins, war Benzin zum Beispiel lange Zeit sehr preiswert. Deshalb haben Berliner die Preise in ihrer Stadt als besonders hoch empfunden. Da gab es manchmal Abweichungen von bis zu zehn Pfennig.

ZEIT: Nach aller marktwirtschaftlichen Erfahrung locken hohe Preise, die zu hohen Gewinnen führen, neue Anbieter an. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb, und die Preise geraten dann unter Druck. Warum mißtrauen Sie diesem Mechanismus, und warum wollen Sie jetzt mit staatlicher Hilfe Billiganbieter von Benzin nach Berlin holen?

Pieroth: Ich will keine Anbieter nach Berlin locken. Es wird zum Beispiel keine Subventionen geben. Aber ich will denen politische Hilfestellung geben, die günstiger in Berlin Benzin anbieten können. Politische Hilfe heißt in diesem Fall, darauf aufmerksam zu machen, daß die großen Mineralölkonzerne den überwiegenden Teil ihres in Berlin verkauften Treibstoffs in der DDR beziehen. Diese Möglichkeit verschaffen ihnen Vereinbarungen, die immer wieder mit der DDR getroffen werden. Es steht aber nirgendwo geschrieben, daß an diesen Bezugsmöglichkeiten kleine Mineralölfirmen nicht beteiligt sein dürfen.

ZEIT: Ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Großen ...