Von Bettina Schütte

Das Thema Südafrika stand im Mittelpunkt der 25. Konferenz der Commonwealth-Staaten in Nassau auf den Bahamas. Es war das bisher größte Treffen des Staatenverbandes. Von den 49 Ländern, die einst zum britischen Empire gehörten, waren 46 vertreten, davon 41 durch ihre Regierungschefs.

Nach einer hitzigen Debatte über Sanktionen gegen das einstige Mitgliedsland Südafrika einigten sich die Teilnehmer doch noch auf ein Programm milder und vor allem freiwilliger Maßnahmen. Ein fast überraschendes Ergebnis; denn noch zu Beginn der Konferenz waren die Aussichten auf eine gemeinsame Strategie nahezu hoffnungslos gewesen. Großbritanniens Regierungschefin Margaret Thatcher hatte sich erneut vehement gegen jegliche Wirtschaftssanktionen ausgesprochen. Ohne die Zustimmung Großbritanniens, dessen Investitionen in Südafrika sich auf 14 Milliarden Dollar belaufen und das nach den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik drittgrößter Handelspartner des Landes ist, wären Beschlüsse der übrigen Teilnehmer-Staaten wirkungslos gewesen. Aber auch die sieben afrikanischen Frontstaaten, die an die südafrikanische Republik angrenzen, zeigten sich diesmal zurückhaltend, wohlwissend um ihre starke wirtschaftliche Abhängigkeit vom ungeliebten Nachbarn. Der Sprecher der Frontstaaten, Sambias Regierungschef Kenneth Kaunda, äußerte unmißverständlich, daß niemand eine Konfrontation mit Großbritannien wolle. Nur Robert Mugabe, Staatschef von Simbabwe, erklärte, Südafrika müsse "in die Knie gezwungen werden" – obwohl doch 85 Prozent der Ein- und Ausfuhren des Landes über Südafrika abgewickelt werden.

Mehr Druck auf Großbritannien übten die nicht-afrikanischen Mitgliedsstaaten des Commonwealth aus: Australiens Premier Robert Hawke, Neuseelands David Lange, Kanadas Regierungschef Brian Mulroney und Indiens Ministerpräsident Rajiv Gandhi. Gandhi hatte zuvor in London vergeblich versucht, die britische Premierministerin für härtere Maßnahmen gegen die Apartheid zu gewinnen. In seiner Rede warf er ihr "Eiseskälte" und mehr "emotionale als rationale Opposition" vor. Und doch war es vor allem Gandhi, zusammen mit Hawke und Kaunda, zuzuschreiben, daß schließlich ein Kompromiß gefunden wurde. Das Commonwealth wird nun freiwillige Sanktionen verhängen, falls Südafrika nicht innerhalb der nächsten sechs Monate damit beginnt, das Apartheidsystem abzubauen. Keine neuen Kredite sollen gewährt werden, der Import von Krügerrand-Goldmünzen und der Export von Computern für südafrikanische Sicherheitskräfte verboten werden. Ferner fordern die Regierungschefs ultimativ die Beendigung des Ausnahmezustands, die Aufhebung des Verbots der schwarzen Oppositionsbewegung ANC (Afrikanischer Nationalkongreß) und anderer politischer Gruppen und die Freilassung des inhaftierten ANC-Führers Nelson Mandela. Margaret Thatcher verkündete sogleich, England werde sich nur dem Krügerrand-Boykott anschließen, wenn es dazu kommen würde – die Käufe machten ohnehin nur eine halbe Million Pfund im Jahr aus. Im Commonwealth redet man miteinander, aber ordnet sich nicht gemeinsamen Beschlüssen unter.