Zur generellen Sensibilität und Zurückhaltung beim Thema Datensicherheit geben aber auch die sogenannten Hacker Anlaß, die sich – meist intellektuell herausgefordert – als Datenpiraten auf elektronische Wegelagerei spezialisieren. Per Telephonleitung treiben sie ihr Unwesen in fremden Rechnern und beschränken sich in der Regel auf Späße wie diesen: "Bitte, gib mir ein Plätzchen!" erschien eines Morgens auf der Mattscheibe eines Terminals. Gleichzeitig stellte das System seine Arbeit ein. Erst als der Mitarbeiter auf die Idee kam, "hier ist ein Plätzchen" einzutippen, lief das Programm wieder an. Der Unfug war nicht zu beseitigen, ohne die gesamte Software zu zerstören. Auch wenn die Grenze zwischen Phantasie und Realität bei der Überlieferung solcher Fälle aus den USA ab und an fließend verläuft, zweifelt kaum ein Informatiker an ihrer Möglichkeit.

Ein normales Unternehmen kann nach dem Ausfall seines Rechenzentrums etwa zwei bis fünf Tage überleben, schätzen Sicherheitsberater. Sie beklagen zugleich, daß die meisten Unternehmen für den Katastrophenfall viel zu schlecht gerüstet seien. Ihre potentiellen Kunden wittern hinter derlei Mahnungen manchmal eher Interessen an dem Geschäft mit der Sicherheit: "Mit der Angst vor der Katastrophe läßt sich viel Geld verdienen", gibt Stefan von Ungern-Sternberg von der Datev eG – dem größten Rechenzentrum für Steuerberater – zu bedenken.

Die Möglichkeiten, von außen in die Innereien eines Rechners einzudringen, der nicht – wie öffentlich zugängliche Informations-Datenbanken mit benutzerfreundlichen Zugriffsverfahren ausgestattet ist, sind in der Tat relativ gering, vorausgesetzt, alle Mitarbeiter halten sich an die Sicherheitsbestimmungen. Die größte Gefahr, darin sind sich die Experten einig, droht deshalb von jenen Insidern, die Systemkenntnisse und direkten Zugang zum Kern der Computer haben, also von den eigenen Systemspezialisten. Damit stehen Unternehmensleitungen vor einem großen Problem: Sie sind abhängig geworden von einigen wenigen Mitarbeitern, deren Know-how sie selbst nicht beherrschen.

Die Hermes Kreditversicherungs-AG fand durch eine Umfrage über Computer-Mißbrauch bei 1300 Unternehmen heraus, daß achtzig Prozent aller gemeldeten Schäden durch den Innendienst verursacht waren. Die gesamte Schadensumme pro Jahr geht mittlerweile in die Milliarden. Doch genaues weiß niemand, weil viele Delikte unentdeckt bleiben oder aus Sorge um das eigene Image und der Angst vor Nachahmung unter den Teppich gekehrt werden. Denn im Umgang mit Computergaunern, die ihre Spezialkenntnisse zur eigenen Bereicherung nutzen, zeigt sich die Unternehmensleitung in der Regel großzügig. Schon allein aus Angst vor dem Spott der Konkurrenz neigt sie dazu, "den Mitarbeiter auf eigenen Wunsch kündigen zu lassen und ihm auch noch ein gutes Zeugnis auszustellen", so berichtet das Fachblatt Computerwoche über die Ergebnisse einer Untersuchung der amerikanischen Universität Cincinnati.

Verführen lassen sich allerdings nicht nur Mitarbeiter des Rechenzentrums, sondern manchmal

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