Händler fühlen sich vom Marktführer IBM im Wettbewerb behindert

Der Krieg ist jetzt ausgebrochen", umschreibt einer der Beteiligten kampfeslustig den Eklat. Die Kampfansage kommt von einer Organisation, deren Kurzbezeichnung sinnigerweise ECLAT lautet. Sie steht für European Computer Leasing & Trading Association. Ihr gehören rund sechzig – von Herstellern und Banken unabhängige – Firmen an, die neue und gebrauchte Computer verleasen und mit ihnen handeln.

Die Vereinigung beschloß letzte Woche bei ihrer Jahrestagung im spanischen Malaga den "Krieg" gegen IBM. Auf Betreiben ihrer deutschen Gruppe, die rund vierzig Prozent der Mitglieder stellt, stimmte ECLAT einer Initiative zu, die in der ganzen Datenverarbeitungsbranche Aufsehen erregen wird: Wegen "bestimmter Verkaufspraktiken" der deutschen Tochter des Computer-Multi IBM wird Beschwerde gegen sie beim Bundeskartellamt eingelegt.

Hubertus Schön von der Berliner Wettbewerbsbehörde bestätigt, daß ECLAT in Berlin vorgefühlt und sich über die deutsche IBM beschwert habe, weil man sich vom dominierenden Marktführer im Wettbewerb behindert fühlt.

In Malage war vereinbart worden, daß die Kriegserklärung gegen IBM am Montag dieser Woche um 9 Uhr morgens publik gemacht werden sollte. Der neue ECLAT-Präsident, der Engländer James Carr, hatte den Text der Presseerklärung bereits an die Mitglieder weitergegeben. Doch die Veröffentlichung blieb aus. "Wir haben uns entschlossen, wegen des schwebenden Verfahrens keine Presseerklärung herauszugeben", begründet dies der Münchner Anwalt Christian Melcher. Und der Hausjurist einer Hamburger Mitgliedsfirma von ECLAT verweist auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG), gegen das man nicht verstoßen wolle, da die Mitglieder der ECLAT als einer Interessenvereinigung im Wettbewerb zu IBM stünden. Mittlerweile spricht man auch nur noch verharmlosend von einer "Eingabe" und "Initiative".

Britische Beobachter aus der Branche sehen die publizistische Abstinenz, zu der man sich gleichsam über Nacht entschlossen hat, etwas anders. IBM, deren Vertreter Robert H. Dunkel von der Europa-Zentrale in Paris die Tagung in Malaga zunächst unter Protest verlassen hatte, habe nachträglich massiv Einfluß genommen und durch Drohen – etwa mit einer Liefersperre – einen Verzicht auf die öffentliche Erklärung erreicht. Vor allem die englischen Mitglieder seien von IBM "in die Mangel genommen" worden, so daß sie Angst vor der eigenen Courage bekommen hätten.

Die Sache nahm dennoch ihren Lauf. Die Presseinformation sickerte durch. In ihr wird der deutschen IBM vorgeworfen, sie wolle durch ihre eigenen Leasingangebote "zusammen mit der Einführung bestimmter vertraglicher Begriffe, einschließlich ihrer unklar definierten Rabattpolitik", die unabhängigen Leasinggesellschaften vom Markt verdrängen. Dies würde auf längere Zeit dazu führen, daß die ECLAT-Firmen den IBM-Anwendern weder "flexible Leasingpakete" anbieten, noch bei ihnen gebrauchte Computeranlagen vermarkten könnten.