Mehr Wettbewerb soll die Flugpreise drücken

Von Heinz Michaels

Für die Fluggäste reduziert sich das komplexe Geschehen auf die simple Frage: Wann wird das Fliegen in Europa nun endlich billiger? Und Margaret Thatcher, die britische Premierministerin, hat darauf eine ebenso einfache Antwort: Schafft mehr Wettbewerb, öffnet den Himmel über Europa, so wie es die Amerikaner in den Vereinigten Staaten getan haben.

Die Fluggesellschaften dagegen, zusammengeschlossen in dem europäischen Luftverkehrsverband AEA (Association of European Airlines), brauchten 21 engbeschriebene Schreibmaschinenseiten für eine gewundene Antwort. Und Geoffrey Lipman, der seit fast zwei Jahrzehnten im Dienst des internationalen Luftfahrtverbandes IATA (International Air Transport Association) steht, nun aber zur Verbraucherorganisation der Flugpassagiere wechselt, dämpft die Erwartung seiner künftigen Klientel, daß Mrs. Thatcher recht behält: Europa ist nicht Amerika.

Seit fünfundzwanzig Jahren bemüht sich die Kommission der Europäischen Gemeinschaft, den europäischen Luftverkehr zu liberalisieren. Zweimal urteilte der Europäische Gerichtshof, daß auch der Luftverkehr den "allgemeinen Regeln" der Römischen Verträge unterliege. Aber noch immer, 27 Jahre nach der Gründung der EWG, gelten die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft nicht für die Fluggesellschaften.

Noch immer müssen ihre Tarife, die sie untereinander koordinieren dürfen, von den Regierungen genehmigt werden. Noch immer werden die Zielflughäfen in komplizierten bilateralen Abkommen festgelegt. Noch immer gilt dabei der Grundsatz: Fliegst du einmal, so muß ich auch einmal fliegen (im Fachjargon 50:50-Kapazitätsregel genannt).

Amerika, hast du es besser? Als vor knapp zehn Jahren der Volkswirtschaftsprofessor Alfred E. Kahn die Luftfahrtbehörde der USA übernahm, verordnete er den amerikanischen Fluggesellschaften eine Roßkur, schaffte fast alle Auflagen ab, überließ den Luftverkehr dem Markt und machte seine Behörde überflüssig.