Von Hanno Kühnert

Als meine Katze Ramses mich vor kurzem mit dem roten Heft der Neuen Juristischen Wochenzeitschrift (NJW) vom Briefkasten kommen sah, begann sie zu zischen, die Haare sträubten sich ihr, und dann rannte sie weg – in Nachbars Garten, um dort für ihre Geschärte die Erde aufzuwühlen und Vögeln aufzulauern. Als ich das Heft der angesehenen Fachzeitschrift aufschlug, fand ich drei Beiträge über Katzen in Nachbars Garten und wunderte mich über den juristischen Spürsinn von Ramses.

Leider sind die Juristen im Gegenzug kätzisch nicht ganz so versiert. Das rote Heft weist es aus. Es enthält zwei Katzen-Gerichtsentscheidungen und einen Katzenartikel von Professor Albrecht Dieckmann aus Freiburg. Es ist übrigens schon das dritte Heft der NJW innerhalb kurzer Zeit, das Publikationen zum überaus wichtigen Katzenthema veröffentlicht und das offenbart, wie sehr sich die Juristen mit den Katzen quälen.

Es fing alles an mit einer katzentragischen Entscheidung des Amtsgerichts Passau. Die Welt kennt diesen Fall. Es handelte sich um den Kater Bubu, der einem Ehepaar am Passauer Margarithenweg gehörte und einem Nachbarn Anlaß zur Klage gab, weil Bubu dessen "Blumenbeete ständig als Toilette benutzte und beim Auf- und Abspringen mit den nassen Pfoten die Gartenmauer verdreckt". Diese Untaten ahndete der Passauer Amtsrichter unter dem Aktenzeichen 11C 708/82 mit dem Leitsatz: "Bereits das bloße Betreten eines Grundstücks durch Katzen bildet einen störenden Eingriff in das Grundeigentum. Der Grundstückseigentümer ist zur Duldung einer solchen Störung nicht verpflichtet."

Der Amtsrichter schildert den Sachverhalt, indem er Bubu und einer anderen Katze der beklagten Katzenbesitzer, wahrscheinlich Bubus Freundin, anlastet: "Dort jagen sie Vögel, verschmutzen die Terrasse des Klägers mit Kot, zerkratzen beim Übersteigen der Umfriedungsmauer des Grundstücks den dortigen Verputz und dringen durch die Terrassentür in die Wohnung des Klägers ein." Der Passauer Amtsrichter muß Hundefreund sein.

Lebenslänglich für Bubu

Bubu, der jagt, zerkratzt und eindringt, konnte nicht zur Berufung ans Landgericht Passau gehen, weil dieses den Streitwert drückte und dadurch das Verdikt des Amtsgerichts rechtskräftig machte. Der Katzenjammer um das "Lebenslänglich" für Katze Bubu (Süddeutsche Zeitung) war groß. Vom Bayerischen Tierschutzbund bis zur rheinischen Katzenmutter meldeten sich entrüstete Tierfreunde.