"Zahn um Zahn": Götz George als Schimanski – ein Star, aber kein Film • "Im Jahr des Drachen": Michael Ciminos fataler Geniestreich • "Die Maske": Zum Weinen, mit Cher • "Insignificance": Nur Busen ist zu wenig.

Mit der "wohl größten Straßenschlacht, die je für einen deutschen Film inszeniert wurde", wie in der Hauszeitschrift der Bavaria Studios vermerkt wird, beginnt "Zahn um Zahn" von Hajo Gies, der Film, in dem Götz George als der "Ruhrpott-Bulle" Horst Schimanski nach vielen "Tatort"-Auftritten im Fernsehen nun auch im Kino zu sehen ist. Es wirkt – vielleicht wegen der jüngsten Ereignisse – doch ein wenig gruselig, mit welchem Stolz die Bavaria über die Schlagkraft der "Mitwirkenden" bei dieser Kino-Straßenschlacht schwärmt: Mit dabei waren "unter anderem eine Hundertschaft Polizei einschließlich kompletter Reiterstaffel auf der einen, und zwei an Rhein und Ruhr hinreichend bekannte Rocker-Clubs auf der anderen Seite der Barrikade". Mit dem neckischen Nachsatz, "auch sonst geschah Außerordentliches", sind dann vielleicht die hübsch explodierenden Molotowcocktails gemeint.

Kino ist "nur" Kino, gewiß. Aber dieser Film tritt mit einer pathetischen, sozial-anklägerischen Maske auf, er ist kein Bond- oder Belmondo-Spektakel, sondern läßt seinen Helden Schimanski vor einem Hintergrund agieren, wo die kapitalistische Korruption blüht und ein elegant residierender Miethai sein menschenverachtendes Geschäft betreibt. Dieses Motiv ist freilich gar nicht ernstgemeint, nur ein wohlfeiles Klischee, um ein bißchen Gewissen und – wie heißt es doch im Fernsehdramaturgen-Jargon – "bundesrepublikanische Wirklichkeit in eine Fabel zu bringen, die größtenteils recht einfallslos das Muster "Polizist jagt Bösewicht" variiert.

Die Straßenschlacht aber – und da ist Kino eben doch nicht "nur" Kino – hat eine fatal aseptische, trotz aller Kraftmeierei verharmlosende Wirkung. Nicht nur, daß sie im Feuer und Rauch rasch vergessen läßt, um was es eigentlich geht, um eine zum Abbruch freigegebene Siedlung nämlich. Diese Szenen vermitteln außerdem das Gefühl, daß man aus solchen Zusammenstößen allemal mit einigermaßen heiler Haut hervorgehen kann. Das Ganze erscheint letztlich als derber Spaß – da flogen eben wieder einmal die Fetzen in Duisburg. Jeder Drehbuchautor, Regisseur und Produzent von einiger Intelligenz hätte schon aus Produzent gischen Gründen – wenn auch nur, um die vielberufene dichte Wirklichkeit herzustellen – sich noch ein paar Filmminuten Zeit genommen, den Blessierten dieser Straßenschlacht wenigstens bis in die Krankenhäuser zu folgen. So aber bleibt diese kostspielige Auftaktszene ein zynisches Gewalt-Ballett, das nur dazu dient, den Adrenalinspiegel des Zuschauers anzuheben.

Das sozialengagierte Getue, mit dem der Film großspurig beginnt, vergißt er – zum Glück, möchte man dann doch sagen –, sobald Schimanski aus Duisburg raus ist und sich in Marseille mit Ganoven und der ihm nicht wohlgesonnenen französischen Polizei herumschlagen muß. Eine vorwitzige Reporterin, Ex- und Wieder-Geliebte, begleitet ihn. Was das Drehbuch dabei den beiden einbrockt, ist von einer gnadenlosen Einfalt. Das ist um so schlimmer, als der Regisseur Hajo Gies, der mit diesem Müll umzugehen hatte, hervorragende Kinofilme machen könnte, denn inszenatorisch ist der Film, vom Anfang abgesehen, erstaunlich. Und Götz George? Das alte Lied: In Frankreich würde ein populärer Star aus ihm werden. Er ist "richtig", wie es im Volksmund über ihn heißt. Er ist ein Kinotier mit Charme, Sex-Appeal, Witz. Dank Götz George steht man diesen unsäglichen Film durch und schluckt den Ärger runter.

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In der Gerhart-Hauptmann-Suite eines großen Hamburger Hotels hatte Michael Cimino, das enfant terrible des amerikanischen Films und Kultregisseur europäischer Cineasten, zum Empfang geladen. Er befand sich auf einer Werbetournee durch Europa, wo er für seinen neuen Film "Im Jahr des Drachen" um die Gegenliebe warb, die ihm in Amerika nicht beschieden war. In Bildern von großer Virtuosität und Opulenz zeichnet Cimino das Porträt eines Polizisten und Gerechtigkeitsfanatikers (der auch noch White heißt), der rot sieht: White räumt auf in New Yorks Chinatown, kämpft selbstmörderisch gegen Verbrechen und Korruption, bis auch der letzte Lampion zerschossen ist.