Von Gunter Hofmann

Wien, im Oktober

Einmütig, beschwörend und ungeduldig fiel der Appell an die Großmächte aus: Beim Genfer Gipfeltreffen von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow im November sollen sie ernsthaft miteinander sprechen und das Wettrüsten endlich wenigstens stoppen. Vor dieser Runde wollte die Sozialistische Internationale (SI) mit einer Abrüstungskonferenz in Wien noch einmal daran erinnern, was auf dem Spiel steht und was von den "Großen" erwartet wird.

Ein Erfolg in Genf, so mahnte Willy Brandt, unangefochtener denn je Präsident der "Internationale" der Sozialisten, wäre ein Erfolg für die ganze Welt, "ein Fehlschlag wäre ein Fehlschlag für alle". Beide Seiten müßten übereinkommen, daß nicht die Qualität der Waffen, sondern die Qualität der Politik über Sicherheit und Stabilität entscheidet. Brandt sagt nicht nur "beide Seiten", er meint es auch so.

Ähnlich drängend appellierte Schwedens Ministerpräsident Olof Palme: Auch die Kleinen wollten überleben, es sei "nicht akzeptabel, daß unsere Zukunft nur in den Händen der Atommächte liegt". Wenn sich die Supermächte nicht besännen, werde es in hundert Jahren keine Zivilisation und selbstredend auch "keine solchen Konferenzen mehr geben" wie diese im Redoutensaal der Hofburg in Wien.

Immerhin handelt es sich bei der "Sozialistischen Internationale" mit ihren 47 Mitgliedsparteien, den Gästen und Beobachtern aus aller Welt, die Blockfreien und China eingeschlossen, nicht um eine Versammlung von Nobodies. Regierungschefs und Oppositionsführer gehören dazu, von ferne erinnert dieses Forum an die Vereinten Nationen; manche meinen, es sei sogar in einem gewissen Sinne "repräsentativer als die UN".

Wie in Wien demonstriert worden ist, kann in diesem Forum – neben den Fensterreden, die es auch gibt – ein nachdenklicher Dialog geführt werden. Bittere, intensive Kontroversen sind möglich, die nicht auseinanderdividieren. Aber wehe, die Großen kommen.