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Eine von ihnen ist auch Sabine S., Zahnlaborassistentin, 29 Jahre. Sie wohnt mit drei Katzen in einer schönen Altbauwohnung, die alle Anzeichen eines liebevoll und dauerhaft eingerichteten Nestes aufweist – alte, selbstrenovierte Möbel, Grünpflanzen. "Das Alleinwohnen ist nicht mein Ziel", sagt sie ohne Zögern. Aber es sei "irgendwie komisch geworden zwischen Männern und Frauen". "Früher oder später gibt es Streit um die lächerlichsten Dinge, und dann erkennt man schnell, daß man eigentlich nix miteinander zu tun hat. Irgendwie ein Knacks zwischen den Geschlechtern", sagt sie und schaut träumend aus dem Fenster.

Die Singles – annähernd 400 000 von ihnen gibt es allein in einer Großstadt wie Hamburg. Sie gelten als abenteuerlustig, selbstbewußt und risikobereit, als freiheitsliebend oder auch egozentrisch. Sie haben den Mut zum eigenen Leben. Sagt man.

Die Realität ist anders. Im Single-Milieu siedeln auch die heillos Ehegeschädigten, die Resignierten, die Schüchternen, die Bindungsunfähigen, ja Bitteren. Nicht nur das Abenteuer wuchert hier, auch die Depression. Sabine S.: "Es ist ja nicht so, daß die Leute nicht mehr zusammenleben wollen. Sie können es nicht mehr."

Im Januar dieses Jahres verlautete Düsteres aus dem Bundesministerium der Justiz: Der Trend "weg von der Ehe" sei besorgniserregend. Die innere Einstellung weiter Kreise der Bevölkerung zu Liebe und Ehe habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend geändert. Die Ursachen seien vielfältiger Natur und müßten sorgfältig soziologisch untersucht werden. Patentrezepte gebe es nicht.

Die Zahlen bestätigen solche Diagnosen. Mitte der siebziger Jahre wurde jede vierte Ehe geschieden – heute schon jede dritte. 1960 traten 500 000 Paare vor das Standesamt, 50 000 ließen sich scheiden – 1984 war das Verhältnis 364 000 zu 130 000. Hochgerechnet müßten im Jahr 1990 auf drei Ehen zwei Scheidungen kommen; zur Jahrtausendwende wäre die Scheidung bereits für alle statistisch garantiert.

Nach einer Erhebung des Emnid-Institutes gibt es heute mehr als viermal so viele "wilde Ehen" wie 1975 – über eine Million. In gleichem Ausmaß haben sich Zweit- und Drittenen mit oftmals schwierigen psychologischen Folgen für die Kinder vervielfältigt. Immer häufiger lehnen Frauen den Vater ihres (unehelichen) Kindes ab und geraten als Alleinerziehende in ökonomische Schwierigkeiten, wachsen Kinder in komplizierten Beziehungskonstellationen zwischen Wohngemeinschaft, wechselnder Partnerschaft und "Bezugspersonen" auf – Konstellationen, die weder juristisch noch psychisch zu entwirren sind.