Von Irmgard Bayer

Österreichs Privatunternehmen haben im eigenen Land wenig Einfluß. Nur rund 22 Prozent des Kapitals aller heimischen Gesellschaften quer durch alle Branchen sind im Besitz von österreichischen Privatpersonen. Aber fast 30 Prozent des Kapitals sind fest in ausländischer Hand. Und ein gutes Viertel der Anteile ist im Staatsbesitz. Der Rest der Gesellschaftsanteile liegt bei Ländern und Gemeinden sowie den Banken.

Diese Ergebnisse lieferte eine Studie, die die Arbeitskammer, die gesetzliche Vertretung der Arbeitnehmer in Österreich, jetzt erstellt hat. In einzelnen Branchen ist die Bedeutungslosigkeit von Österreichs privaten Unternehmern sogar noch größer: So gehören nur 14 Prozent des Aktienkapitals der großen Industriebetriebe inländischen Privaten, mehr als 40 Prozent aber sind im Staatsbesitz. Im Handel dominieren die Ausländer, allen voran die Deutschen mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent.

Eine weitere Untersuchung unterstreicht dieses Bild. Die Zeitung Die Wirtschaft, das Organ der Arbeitgeber, hat eine Liste mit den 100 führenden Betrieben aus Industrie, Handel und Versicherungen herausgebracht. Bei den Industriebetrieben findet sich ein echter österreichischer Privatbetrieb erst auf Rang 18. An der Spitze aber dominieren die Industriebetriebe des Staates und der mehrheitlichen staatlichen Banken Creditanstalt (CA-BV) und Länderbank, nur durchsetzt von Ausländern wie Siemens oder Philips.

Bei solcherlei staatlicher und ausländischer Machtfülle bleibt nur ein Trost: Die Mehrheit der Beschäftigten der österreichischen Wirtschaft arbeitet noch immer bei einem österreichischen Besitzer. Auf den unteren Rängen sind nämlich Klein- und Mittelbetriebe bis 500 oder 1000 Beschäftigte ganz stark vertreten; diese Gruppe hat auch die meisten Arbeitsplätze zu bieten und wirtschaftet in der Regel mit Gewinn.

Die großen staatlichen Gesellschaften hängen hingegen zum Teil schon seit Jahren am Steuertropf. Allen voran Österreichs Nummer eins, der verstaatlichte Stahlkonzern Voest. Seit Ende der siebziger Jahre braucht der Gesamtkonzern mit etwa 70 000 Beschäftigten eine Kapitaltransfusion nach der anderen. Was als Subvention hereinfließt, rinnt alle Jahre als Verlust wieder heraus. Konzern-Chef Heribert Apfalter sagt den Zeitpunkt, zu dem er die Verlustzone verlassen will, seit mehreren Jahren schon mit der präzisen Angabe "in zwei bis drei Jahren" voraus.

Die Voest-Manager wissen zum Beispiel seit Jahren, daß sie eine Stahlhütte in der Steiermark schließen müßten. Aber in der ohnedies wirtschaftlich schlecht, dastehenden Obersteiermark wäre der Verlust von 1000 Arbeitsplätzen oder sogar mehr schlicht eine Katastrophe. Auch mit neuen Projekten tun sich die Voest-Verantwortlichen schwer; das hat sich erst jüngst wieder gezeigt. So scheiterte eine Chip-Fertigung unweit von der steirischen Landeshauptstadt Graz zusammen mit dem japanischen Unternehmen Oki bis jetzt an Protesten. Im Umgang mit Bürgerinitiativen völlig ungeübt, steht das Voest-Management verzweifelt vor so viel wirtschaftlichem Unverstand und fürchtet, gegenüber den Japanern das Gesicht zu verlieren.