Sonderbewegungen – und damit verbunden erhebliche Kurschwankungen – kennzeichneten in den vergangenen Tagen die Tendenz auf dem Aktienmarkt. Für die Westdeutsche Landesbank ist nicht zu verkennen, daß die Börse "heißläuft". Sie fügt aber gleich hinzu, daß sie die mittel- bis langfristigen Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt durchaus positiv sieht. Unverkennbar ist, daß Teile des deutschen Aktienmarktes in ein hochspekulatives Fahrwasser geraten sind. Nach der "Sensation des Jahres", wie der Einstieg von Daimler in die AEG eingestuft wird, sind nicht nur die Berufsspekulanten hellhörig geworden. Scharen von Aktienneulingen haben sich offensichtlich in der Absicht aufgemacht, nunmehr auch an der Hausse verdienen zu wollen.

Wie vorauszusehen war, kommt der AEG-Kurs nicht zur Ruhe, und selbstverständlich bildet er sich nicht auf 170 Mark zurück, auf den Preis, den Daimler offiziell für jede AEG-Aktie zahlen will, falls das Kartellamt die Übernahme der Aktienmajorität genehmigen sollte. Niemand zweifelt übrigens an der Zustimmung.

Daß auf Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz eine Untersuchung wegen des Verdachts des Insider-Handels mit Aktien von Daimler und AEG eingeleitet werden soll, ist in den Börsensälen kein Diskussionsstoff. Jemand zu verdächtigen, ist eine Sache, ihn zu überführen, eine andere. Für die meisten Börsianer steht indessen heute schon fest, daß auch dieses Insider-Verfahren ohne Ergebnis bleiben wird.

Nach dem AEG-Coup wurde Daimler "verdächtigt", sich jetzt auch Rheinmetall einverleiben zu wollen. Doch obwohl aus Untertürkheim glaubhaft abgewinkt worden war, bestand das Interesse für Rheinmetall-Aktien fort. Neuer Grund für die Käufe war nun der große Rüstungsauftrag aus Saudi-Arabien.

Die Aktien des Reifenproduzenten Conti-Gummi erreichten in den vergangenen Tagen ebenfalls einen neuen Höchstkurs. Hintergrund der spekulativen Käufe sind Gerüchte über angebliche Aufkäufe eines japanischen Reifenkonzerns – ungeachtet der Tatsache, daß der Conti-Gummi-Vorstand zum Schutz gegen unerwünschte Großaktionäre auf den Hauptversammlungen eine Stimmrechtsbeschränkung durchsetzen konnte. Als interessant gilt Conti-Gummi aber auch wegen der in Hannover entwickelten neuen Reifengeneration, für die Lizenzvergaben vorbereitet werden sollen.

Geradezu sensationell sind die Kurse vieler Versicherungsunternehmen gestiegen. Die Marke von 1000 ist hier schon längst kein Hindernis mehr. Führend in der Aufwärtsbewegung ist die Holding der Aachen-Münchener Versicherungsgruppe. Sie nähert sich bereits einem Kurs von 2000. In einer von einer Bank aufbereiteten Analyse sollen Kurse von über 2000 Mark als gerechtfertigt bezeichnet werden. Außerdem kursieren, Gerüchte, wonach die Aachen-Münchener Beteiligungsgesellschaft im Zuge der Neuordnung ihres Beteiligungsportefeuilles zu einem "großen Schlag" ausholen soll. k.w.