Von Peter Jennrich

Es steht außer Frage", resümierte das weltweit führende Ärzteblatt New England Journal of Mediane im Jahr 1980, "daß die medizinische und soziale Aufgabe, den vorzeitigen Tod aus der Welt zu schaffen, im wesentlichen gelöst ist."

"Das unselige Kleben an ‚normalen‘ Erwartungen in Sachen Gesundheit, Fitness und Lebenserwartung", resignierten dagegen 1984 die Herausgeber eines kleinen, aber feinen amerikanischen Fachblatts für Gesundheitsfragen, "bildet das Haupthindernis auf dem Wege zu einem gesunden, aktiven, langen Leben."

In beiden Feststellungen zeichnet sich das Ende einer wissenschaftlichen Diskussion ab, welche die Sorge für die Gesundheit wieder in die Verantwortung des einzelnen stellt. Die Diskussion ging Anfang der sechziger Jahre von der Framingham-Studie aus. Die Studie ist nach einem kleinen Ort im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts benannt, dessen Bewohner seit den fünfziger Jahren regelmäßig untersucht werden. Dabei stellte sich heraus, daß übermäßiges Nahrungsfett und der damit einhergehende erhöhte Cholesteringehalt im Blut ein erheblicher Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten und damit vor allem für den Herzinfarkt sind.

Diese sogenannte Lipid-Hypothese besagt, daß Fette, fettartige Substanzen und Cholesterin – im Fachjargon als Lipide zusammengefaßt – für die Arteriosklerose, die Verhärtung der Wandung in den Herzkranzgefäßen, verantwortlich sind. Alljährlich gehen mindestens 300 000 Todesfälle in den Vereinigten Staaten und über 80 000 in der Bundesrepublik auf das Konto des Herzinfarkts und des plötzlichen Herztods. Wenigstens sechs Millionen Menschen hierzulande leiden unter einer Störung ihres Fettstoffwechsels; etwa jeder Dritte hat erhöhte Cholesterinwerte im Blut.

Spätestens seit dem Dezember 1984 gilt die Lipid-Hypothese als bestätigt. Trotz einiger Grauzonen in der Kette einer kausalen Begründung gilt der Zusammenhang zwischen hohen Cholesterinspiegeln und der Infarktrate als bewiesen. Der entscheidende Schritt aber wurde 1973 in den Labors der Universität von Texas in Dallas getan.

Damals hatten die beiden amerikanischen Molekulargenetiker Michael Brown, heute 44 Jahre alt, und Joseph Goldstein, 45, in der Wandung von Körperzellen molekulare Strukturen entdeckt, die maßgeblich sind für die Regelung des Cholesterinstoffwechsels im menschlichen Körper. Die Entdeckung dieser Rezeptoren in der Zellmembran eröffnete den Weg zur Behandlung von Störungen im Fettstoffwechsel. Und sie trug, indirekt wenigstens, zu dem Argument bei, daß sich die Bevölkerung in den westlichen Industrienationen anders ernähren sollte.