Die Lokalredaktion der alternativen "tageszeitung" (taz) in Hamburg wurde von Unbekannten verwüstet. Kurz zuvor hatte das Blatt ein Interview mit dem Chef des Hamburger Verfassungsschutzes veröffentlicht. Er berichtete über Versuche der RAF-Terroristen, Teile der Hamburger linksradikalen Szene zu unterwandern. Thomas Janssen ist der presserechtlich verantwortliche Redakteur des Hamburger "taz"-Lokalteils.

ZEIT: Herr Janssen, was ist in Ihrem Büro passiert?

Janssen: Wir erhielten in der Nacht zum Dienstag gegen Mitternacht einen Anruf, daß bei uns irgend etwas in der Redaktion los wäre. In der Druckerei, die unter uns arbeitet, hatten sie die Geräusche trotz des Maschinenlärms gehört. Ich fuhr sofort in die Redaktion. In sämtlichen Räumen waren die Schreibtische umgeworfen, die Archive ausgeräumt, die Schreibmaschinen gegen Wand und Boden geworfen, Telephone herausgerissen, und das Schlimmste: Unser Satzraum – wir arbeiten mit hochqualifizierten und teuren Maschinen für Lichtsatz – war auch verwüstet: Die Monitoren lagen auf dem Boden, herausgerissen und zerstört.

ZEIT: Haben Sie schon eine Ahnung, wie groß der Schaden ist? Sind Sie versichert?

Janssen: Wir sind versichert, aber Sie wissen, daß Versicherungen bei Vandalismus, wenn der Einbruch nicht ein direkter Diebstahlseinbruch ist, Schwierigkeiten machen.

ZEIT: Wer sind die Täter?

Janssen: Die Täter haben sozusagen eine Visitenkarte an unseren Wänden hinterlassen: "Wegen Lochte". Hier geht es offensichtlich um ein Interview von uns mit dem Chef des Hamburger Amtes für Verfassungsschutz, Christian Lochte. Er sagte, daß in die Häuser in der Hafenstraße in St. Pauli zu den legal, aber alternativ lebenden Mietern auch Mitglieder des sogenannten legalen Arms der RAF eingezogen seien.