Bestätigte Theorie

"Spare, wenn du es am wenigsten brauchst. Hab’ dein Geld, wenn du es am nötigsten hast." Dieser alte Slogan seiner Sparkasse, so erklärte Franco Modigliani, Nobelpreisträger für Wirtschaft 1985, sei die Grundlage seiner Wirtschaftstheorie des Sparens. Als der 67jährige Professor vor 30 Jahren seine Studien begann, lautete allgemein die These: Die Reichen sparen, die Armen nicht. Seine eigene Theorie – Menschen sparen dann, wenn sie an ihrem eigenen Einkommen gemessen relativ wohlhabend sind – konnte er jetzt erneut unter Beweis stellen: Bereits drei Stunden nach dem Anruf des Stockholmer Komitees hatte Modigliani einen Plan, wie er seinen soeben gewonnenen Preis von steuerfreien 225 000 Dollar anlegen will: einen kleinen Teil für die Flugtickets der Familie nach Stockholm zur Preisverleihung, etwas Geld für die Renovierung seines Segelbootes und der Rest "bleibt fürs Alter". "Ich werde keinen Saufabend machen", versicherte Franco Modigliani den Gratulanten in seinem Massachusetts Institute of Technology: "Ich werde das Geld stückchenweise aufbrauchen. Das ist, was die Leute tun würden – so sagt meine Theorie."

Späte Kriegsfolgen

Tausende vietnamesischer Teenager wollen nach Amerika auswandern, und die Behörden in Hanoi haben nichts dagegen: Es handelt sich um Kinder amerikanischer Soldaten und vietnamesischer Frauen. Mindestens achttausend dieser Kriegskinder leben im Süden Vietnams. Um viele von ihnen haben sich auch die Mütter nicht gekümmert – das fremdartig aussehende Kind war ein Zeichen der Schande; viele stromern obdachlos in Ho Tschiminh-Stadt herum. Die vietnamesische Regierung sähe die Problemgruppe gern auswandern. 7300 GI-Kinder haben in den letzten drei Jahren Vietnam verlassen, teilweise in Begleitung ihrer Mütter. Dreitausend weitere haben ihre Ausreisegenehmigung erhalten. Die Vereinigten Staaten lassen sich jedoch Zeit, den Kindern ihrer Soldaten Einreisevisa zu erteilen. Beim derzeitigen Tempo wird es nach Meinung einer amerikanischen Hilfsorganisation noch acht Jahre dauern, bis alle ausreisewilligen Amerika-Vietnamesen das Land ihrer Väter erreicht haben.

Verräterische Handschrift

Sir Winston Churchill hätte keine Mühe, in Großbritannien heute einen Job zu finden, wäre er heute ein Berufstätiger. Dieser Mann sei ein potentieller exzellenter Führer, befanden 17 Personalchefs führender britischer Firmen, die bei einem Graphologen-Kurs in London eine Schriftprobe des Kriegspremiers analysierten, ohne zu wissen, wer der Autor war. Schlechtere Chancen gaben sie dem radikalen Gewerkschaftsführer Arthur Scargill: Seine Handschrift verrate, daß man als Chef auf ihn ein wachsames Auge werfen müsse. Einem dritten Schreiber bescheinigten die Kursteilnehmer hohe Intelligenz, allerdings würden sie zögern, ihm einen Posten im Sicherheitsbereich zu geben: Ein Einzelgänger sei er, mit den Merkmalen eines Spions. Es nandelte sich um die Handschrift des berühmt-berüchtigten britischen Agenten Kim Philby. Sollten Bonner Behörden künftig auch den Rat eines Graphologen bei der Einstellung ihrer Sekretärinnen einholen?