Das Großherzogtum Luxemburg will sich vom Image eines Landes für Billigtourismus lösen und Geschäftsleute, Kongreßteilnehmer und Incentive-Reisende ins Land locken. Bisher fehlte die dafür notwendige Infrastruktur, doch neuerdings interessieren sich internationale Top-Hotels für den Kleinstaat.

Feuerwerksgarben erhellten den nächtlichen Himmel über dem 19stöckigen Hotelneubau. Die geladenen Gäste wandelten in Smoking und Abendrobe zwischen den Buffet-Tischen umher. Für Luxemburg, die Hauptstadt des Großherzogtums, war im vergangenen Juni die Eröffnung des Hotels Inter-Continental nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein wirtschaftliches Ereignis. Sieht man einmal von Häusern der Kategorie eines Sheraton oder eines Holiday Inn ab, fehlte es besonders in der Landeshauptstadt, Niederlassungsort von 117 Banken, Sitz vieler EG-Institutionen und Fluglinien-Knotenpunkt, an Unterkünften der gehobeneren Klasse.

Das Image Luxemburgs, ein Land für Billigurlaub zu sein, war bisher eher der Schaffung von Mittelklassehotels, preiswerten Pensionen und Campingplätzen förderlich. Als jedoch das Tauziehen mit Straßburg um den Tagungsort des Europaparlamentes begann und man auch anfing, eine neue Klientel ausländischer Busineß-Leute und Kongreßteilnehmer zu umwerben, stellten die Touristikverantwortlichen erschrocken fest, daß es an passenden Unterkünften fehlte.

Mit der Eröffnung des Inter-Continental am Stadtrand – mit seinen insgesamt 348 Zimmern ist es nicht nur das luxuriöseste, sondern auch das größte Hotel Luxemburgs – konnte eine Lücke gefüllt werden. Nun sind aber auch andere Hotelkonzerne von Format auf die Kleinstaat-Metropole aufmerksam geworden. Die Hilton-Kette plant den Bau eines 220 Zimmer umfassenden Luxushotels mit angeschlossenem Kongreßzentrum, und auch Ramada will sich mit einer feinen 320-Zimmer-Herberge in der einstigen Festungsstadt niederlassen.

Kenner der Fremdenverkehrsszene und der Hotellerie prophezeien einen unerbittlichen Kampf der Hotelgiganten und eine sinnlose Überschwemmung der Hauptstadt mit First-Class-Zimmern, falls diese Projekte tatsächlich verwirklicht werden. Denn die Bemühungen, eine neue, finanzkräftige Kundenschicht nach Luxemburg zu locken, sind noch ganz neu und müssen erst auf eine solide Basis gebracht werden. Clement J. Barter, Generaldirektor des luxemburgischen Inter-Continental, warnt ebenfalls vor einer Überkapazität: "Die Grenze ist nun erreicht. Jedes weitere Hotelzimmer der Luxusklasse ist ein Zimmer zuviel. Jetzt fehlt es in Luxemburg nämlich nicht mehr an Betten, sondern an Übernachtungsgästen."

Mit der Werbung um neue Kundschaft hat Luxemburg aber seine liebe Not. Die Touristikämter müssen nämlich mit solch einem kargen Budget über die Runden kommen, daß anspruchsvolle Promotionsaktionen im Ausland kaum möglich sind.

Das neue Inter-Continental selber versucht, den lukrativen Markt der Incentive-Reisenden, vor allem aus den USA, auf Luxemburg aufmerksam zu machen. Dieser Klientel wird besondere Aufmerksamkeit versprochen. So mag es manchen Besucher beruhigen, daß zu einem sechstägigen Package-Programm ein spezieller "Morning-After-Brunch" vor dem Heimflug gehört. Aspirin und Alka Seltzer bereichern vorsorglich das Frühstücksbuffet.

Rob Kieffer