Streit um den Ausbau einer Uferstraße

Von Roland Kirbach

Erpel

Dem "Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz" in Köln war das Dorf ein eigenes Heft in der Schriftenreihe Rheinische Kunststätten wert. "Kaum ein Ort am Rhein scheint so die sonnige Lebensfreude des gesegneten Rheintals widerzuspiegeln wie das trauliche Erpel am Fuß der schroff zum Strom hin abfallenden Erpeler Ley", heißt es da. "Dazu trägt zweifellos bei, daß es sein altes Weichbild fast beibehalten, daß es mindestens am Rheinufer nicht durch größere neue Ansiedlungen eine verschwommene Gestalt angenommen hat. Die Rheinfront ist in mancher Hinsicht noch fast die gleiche, wie sie Merian (um 1645) und Roidkin (1725) gezeichnet haben."

Nun jedoch droht dem alten Weichbild ein harter Eingriff, ist die "sonnige Lebensfreude" reichlich getrübt. Was mehrere Kriege nicht schafften, auch nicht die erbitterten Kämpfe zu Ende des Zweiten Weltkriegs um die Brücke bei Remagen, das Erpel genau gegenüberliegt – das scheint das zuständige Straßenneubauamt in Vallendar bei Koblenz zu bewerkstelligen: das Stadtbild "in ganz erheblichem Umfang" zu "beeinträchtigen", die "gewachsene Einheit von Stadt und Flußufer" zu "zerstören", so der Bonner Architektur-Professor Herbert Strack.

Die Bundesstraße 42, die bei Erpel unmittelbar am Rhein entlang verläuft, soll von Bonn bis Neuwied "kreuzungsfrei" ausgebaut werden. Im Bedarfsplan für den Ausbau der Bundesfernstraßen ist das Vorhaben in die Dringlichkeitsstufe eins eingeordnet. Begründet wird es damit, daß die derzeitige B 42 durch die fast jährlich auftretenden Hochwasser regelmäßig überflutet wird, was zu "schwierigen Umleitungen durch die teilweise sehr engen Ortsstraßen" und zu "erheblichen Belastungen der Anwohner dieser Umleitungsstrecken" führe.

Außerdem münden auf einer Länge von nur 850 Metern neun Ortsstraßen sowie mehrere Grundstückszufahrten in die B 42; dies störe den Durchgangsverkehr "in erheblichem Maße" und bilde "auch für die einbiegenden und ausfahrenden Verkehrsteilnehmer große Gefahrenpunkte". Auch "der rege Fußgängerverkehr zwischen Ort und den Rheinanlagen ... trägt zur Verschärfung der Konfliktsituation bei". Und schließlich werde die Bundesstraße der Verkehrsbelastung nicht mehr gerecht. 9614 Fahrzeuge pro Tag seien es 1978 gewesen, 12 086 im Jahre 1983. Bis zum Jahr 2000, so die nicht näher erläuterte Prognose des Straßenneubauamts, werde die Zahl auf 15 100 täglich steigen.